Zuhause mit Bunny Turner

TurnerPocock ist ein preisgekröntes Interior Design Studio, das 2007 von Bunny Turner und Emma Pocock gegründet wurde. Das Duo hat Büros in London und Genf und wird in „House & Garden’s 100 leading interior designers“ sowie „Andrew Martin’s Interior Design Review“ als eines der weltbesten Designstudios aufgeführt. Natürlich fragt man sich da, wie sich die beiden privat eingerichtet haben. Von Bunny Turner kann ich jedenfalls behaupten, dass sie in einem der coolsten Häuser wohnt, das ich je gesehen habe! Woher ich das weiß? Sie ist meine Chefin. Für euch habe ich mit Bunny Turner über ihren Design-Ansatz gesprochen und einen kleinen Rundgang bekommen.

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Nora Albert: Wie beginnen Sie den Design Prozess?
Bunny Turner: Wir starten immer mit Grundrissen. Bei Privathaus-Projekten verbringen wir Zeit mit dem Auftraggeber und versuchen auf seine Wellenlänge zu kommen. So fragen wir zum Beispiel nach Projekten, die ihm gefallen. Und wir gehen durch unsere Bibliothek, um zu verstehen, welchen Stil er mit seinem Haus verkörpern möchte, da wir ja nicht mit einem bestimmten Stil arbeiten. Anschließend setzen Emma und ich uns zusammen und arbeiten an den Grundrissen. Oft gestalten wir unabhängig voneinander einen Grundriss für einen der Haupträume, zeigen uns gegenseitig die Entwürfe und diskutieren sie durch. Oft sind es dieselben (lacht). Und dann, sobald wir das Grundgerüst haben, geht es zu den Details, den Möbeln und den speziellen Elementen, danach zu den Stoffen und Accessoires. So sieht unser Standardablauf aus.

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Nora Albert: Für welchen Designs-Stil steht TurnerPocock?
Bunny Turner: Wir sind hauptsächlich bekannt für die Verwendung mutiger Farben und eklektischer Muster und ich denke für einen Mix von Design-Klassikern und traditionellen Antiquitäten – ein Stilmix in einer unerschrockenen Art und Weise. Hier in Großbritannien gibt es einen Trend zu einer Art generischen Interieur mit viel Taupe und neutralen Farben, einer Art Hotelgefühl für Privaträume. Wir wollen genau so nicht sein, sondern eher raffiniert.

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Nora Albert: Was macht ein Haus zu einem Zuhause?
Bunny Turner: Persönlichkeit, Charakter und Komfort. Man muss überlegen, wie man in seinen Räumen leben möchte und dabei ehrlich sein. Es gibt nichts Schlimmeres als ein Showroom-Haus, in dem die Besitzer einen riesigen Esstisch aufstellen, aber nur ein bis zwei Mal im Jahr benutzen – eigentlich total verrückt! So ein förmliches Esszimmer, das kaum genutzt wird, hat keine Seele. Emma und ich sind uns sicher, dass ein Zuhause sich einladend anfühlen und in Bezug auf seine Funktion durchdacht sein sollte. Die Details machen den Unterschied. Kunst ist zum Beispiel die perfekte Möglichkeit, sein Haus von den Häusern Anderer abzuheben. Ich kann nur raten, bestimmte Objekte in bestimmten Zimmern zu positionieren – denn einige wirken auf einen eher beruhigend, andere mehr belebend. Ich sammle seit über zwanzig Jahren Kunst. Sie erzählt viel über mein Leben und meine Person. Daher ist am Ende wohl Persönlichkeit der Schlüssel zu einem Haus, das gleichzeitig ein Zuhause ist.

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Nora Albert: Wie sind Sie das Design Ihres eigenen Hauses angegangen?
Bunny Turner: Es war sehr einfach. Ich habe über eine lange Zeit Dinge gesammelt, die ich liebe. So war es eher eine riesige Freisetzung, mein Haus zu gestalten. Ich hätte durchaus viele Stile versammeln können. Ich wollte jedoch nicht, dass es nach periodischen Räumen aus verschiedenen Zeiten aussieht. Entscheidend war auch die Position des Hauses: das Wohnzimmer liegt auf der Nordseite, während mein Garten auf der Südseite liegt. So gibt es in der Mitte des Hauses einen natürlichen Bruch. Nun habe ich eine sehr helle Küche und ein dunkles Wohnzimmer. Das hat die Idee, eine Küche als moderne Ergänzung zum alten Haus, das dunkler und gemütlicher sein sollte, vorangetrieben. Es war mir ein Bedürfnis, meine kreative Energie herauszulassen, was etwa mit einem konservativen Kunden nicht möglich gewesen wäre.

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Nora Albert: Würden Sie heute etwas an Ihrem Haus anders machen?
Bunny Turner: Ja. Alle Badezimmer. Ich hasse sie (lacht). Aber Badezimmer sind eine teure Angelegenheit und ich wollte sparen, da meine Priorität auf den Haupträumen lag. So habe ich einfach die billigsten Materialien gewählt und ich bereue es. Am Ende ist es eine kostenintensive Sache, es nachträglich zu verändern. Nun muss ich mit ihnen leben. Sie sind kalte und ungemütliche Orte. Dabei liebe ich gerade meine Schaumbäder und nun mag ich tatsächlich mein eigenes Bad nicht (lacht).

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Nora Albert: Haben Sie ein Lieblingszimmer?
Bunny Turner: Mein Wohnzimmer. Es ist so gemütlich, es ist wundervoll. Ich hatte schon so oft Besuch, der einfach nicht gehen wollte! Es ist ein sehr freundlicher, einladender und behaglicher Raum, der etwas dunkel und stimmungsvoll ist, aber verrückter Weise funktioniert – ob im Sommer oder im Winter. Das dunkle hague blau macht es so gemütlich.

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Nora Albert: Was empfehlen Sie beim Einrichten – wo investieren und wo sparen?
Bunny Turner: Investieren Sie in Kissen! Wenn es einen Stoff gibt, den Sie wirklich lieben, können Sie dadurch einen genauso großen Effekt erzielen wie durch große Vorhänge. Ich würde sagen, sparen Sie bei den Vorhängen. Solange der Vorhangstoff gut hängt, können Sie einen günstigen Stoff verwenden. Ich finde außerdem, dass Tapeten einen unglaublichen Effekt haben. Sie eröffnen einem gute Möglichkeiten, Muster und Farbe ins Spiel zu bringen, ohne gleich die Welt zu kosten. Oft übersehen, dafür aber ein – leider teures – Element des Designs ist der Teppich. Unsere Kunden sind über den Preis häufig überrascht, aber ich sage immer: Ein schöner Teppich ist wie ein Kunstwerk auf dem Boden. Er kann den Raum regelrecht transformieren. Dafür lohnt es sich, Geld auszugeben.

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Nora Albert: Was sind Ihre Insider Tipps für Interior Shopping in London?
Bunny Turner: Natürlich ist das Chelsea Harbour Design Center großartig. Und der Kempton Markt ist auch toll. Der findet alle zwei Wochen an einer Pferderennbahn statt. Er ist eine Schatzkammer – Sie finden alles Mögliche: nicht nur Antiquitäten und Krimskrams von Händlern aus Frankreich und ganz England, sondern ausgefallene Möbel, Leuchten usw. Das Abenteuer beginnt um 6.30 an einem Dienstagmorgen. Wenn Sie pünktlich sind, lohnt es sich! Die Pimlico Road ist auch super, weil sich hier viele unterschiedliche Händler versammelt haben. Es gibt hauptsächlich luxuriöse Antiquitäten zu kaufen. Dafür sind die Stücke fantastisch, um sich inspirieren zu lassen. Mit den Läden Talisman oder Lamberty könnte man zum Beispiel anfangen. Andererseits ist London mit seinen Museen, Ausstellungen und Galerien die beste Stadt, um sich inspirieren zu lassen. Also kommen Sie einfach vorbei!

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Fotos: Sean Meyer / Will Clarkson

TurnerPocock entwirft neben Innenarchitektur auch eine eigene Tapetenkollektion.

Ich hoffe, wir lesen uns übernächste Woche wieder, in meinem London-Blog am Donnerstag.
From London with Love,

Nora