Einmal mit Alles – Making Of

Geschrieben von Cihan Anadologlu

Endlich ist es da, mein Dönerbuch! Ich halte es in den Händen und bin so stolz, auf die langjährige Arbeit und Recherche und am Ende auf so ein tolles Ergebnis. Ja, es war ein langer Weg, die vielen Reisen in die Türkei waren sehr anstrengend, da ich viel recherchiert und mich mit unzähligen Menschen getroffen habe, um die Hintergründe und die Geschichte des Döners zu erkunden.

Fotoshootings in der Türkei

Ahmet Güzelyadöken war mit Abstand der Allwissende. Ich vereinbarte einen Termin und machte mich auf den Weg nach Izmir in die Türkei. Nach kurzem Suchen fand ich sein Restaurant „Balmumu“ in einer Seitengasse. Sehr klein, tischt er hier alte vergessene Gerichte der türkischen Küche auf. Er bat mich nach oben und setzte sich auf einen Tee mit mir an den Tisch. Es gab auch immer eine Kleinigkeit zu Essen dabei. Als wir anfingen, kam ich mit dem Schreiben nicht mehr hinterher und musste eine Audio-/Video-Aufzeichnung starten, um mitzukommen.

Ich fragte einfach nach allem, was mir in den Sinn kam und auf jede Frage gab es mehrminütige Antworten. Als noch ein weiterer Food Historiker sich zu uns auf einen Tee gesellte, nahm der Morgen seinen Lauf bis spät in den Abend. Dazwischen gingen wir noch in zwei Döner Restaurants, um Döner zu verkosten. „Vedat Usta“ war der absolute Wahnsinn, von 11 bis 17 Uhr ist geöffnet und in dieser Zeit werden unzählige Döner auf dem Teller verkauft, immer mit einem „Lavash“ Brot als Beilage. Ich konnte nicht genug davon bekommen und dieser Laden wurde zu einem meiner Favouriten in der Türkei.

Bei meinem nächsten Besuch in der Türkei ging ich zu Hakan Aydogan, einem bekannten Fotografen in Istanbul, den ich auf der Terrasse des „Tom Tom Suites“ Hotels zum Frühstück traf. Er kam mit seinem Assistenten und wir unterhielten uns darüber, welche Locations am besten passen würden, um Fotos zu schießen. Ich hatte schon gute Ideen, da ich nächtelang darüber nachdachte, was sich für das Buch am besten eignen würde. Doch auch er machte sich Gedanken und kam mit sehr schönen Insider-Ideen auf mich zu. Wir machten uns auf den Weg, mit einem Koffer voll Kameras und genug Geld, um Döner zu kaufen und zu fotografieren.

Dabei kamen wir nicht drum herum, Menschen, die auf uns aufmerksam wurden, zu erklären, dass wir die Döner zum fotografieren kauften und nicht zum Verzehr. Etwas ungewöhnlich in einem Land, das sich zum Großteil nicht mehr als zwei Mahlzeiten am Tag leisten kann. Deshalb kauften wir an verschiedenen Hot Spots der Stadt gleich ein paar mehr Döner und teilten sie mit den Leuten um uns herum. Wie durch ein Wunder störte sich in den Dönerläden niemand daran, dass wir fotografierten, wir fragten selbstverständlich auch vorher bei den Inhabern nach Erlaubnis. Ich versprach ihnen auch, dass ich ihnen persönlich ein Exemplar vorbei bringen würde, sollten sie es mit ihrem Döner ins Buch schaffen.

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Ein Döner-Teller bei Bayramoglu Döner in Istanbul

In den meisten Lokalen wird der Döner-Teller auf diese Art und Weise mit den Beilagen serviert. Dazu gibt es meistens einen „Ayran“ zum Trinken, der übrigens auch im Buch zu finden ist, natürlich samt fachlich korrekter Anleitung zur Zubereitung.

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Ein Döner-Spieß in Istanbul im bekannten Stadtteil „Besiktas“

Der Dönerladen ist seit Jahrzenten berühmt und heißt „Tarihi Karadeniz Döner“. Der komplette Spieß ist innerhalb von Stunden ausverkauft, danach schließt der Döner-Laden.

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Hilfestellung bei Making-Of-Fotos mit Fotograf Hakan Aydogan

In diesem berühmten Dönerladen werden Dürüms verkauft. Berühmt wurde der Laden durch eine Folge bei Anthony Bourdains R.I.P.-Sendung „No Reservations – Istanbul“.

Step by Step-Shooting

Zurück in Deutschland ging es daran, die Step by Step-Shootings für den Döner, das Fleisch, das Brot und die Marinaden und weitere spektakuläre Bilder vorzubereiten. Bei mir Zuhause häuften sich schon zuvor alle möglichen Arten von Gewürzen und Zubehör, sowie Blätter und Merkzettel mit verschiedenen Überschriften. Mein Desktop auf dem Laptop quoll über mit Dateien: „Döner“, „Döner Neu“, „Döner Neu Neu“, man kennt es… Pures Chaos, doch mit dem anstehenden Step-Shooting sollte hoffentlich wieder Ordnung in alles kommen.

Daniel Esswein und Hubertus Tzschirner waren ein eingespieltes Team, schon gut bekannt aus „Burger Unser“. Nach kurzer Absprache ging es direkt los mit den ersten Testfotos. Alles wurde original und dabei so authentisch wie möglich zubereitet. Der Leser soll alles ganz genauso nachkochen können. Und es hat auf Anhieb geklappt. Zu Mittag gab es jeden Tag, na was wohl, Döner zum Essen. Ich habe ja meine Favouriten in München und jedes Mal machte sich jemand auf den Weg um in den Pausen Essen für alle zu besorgen.

Die Bilder „Cihan & Döner“ waren ebenso noch zu fotografieren. Danke hier an der Stelle an „Distorted People“ für die wunderschönen T-Shirts und Caps. Ich bin ein großer Fan von ihnen; für das Shooting stellte man mir die aktuelle Kollektion zur Verfügung. Danke.

Warum schreibe ich ein Buch über Döner?

Und warum hat noch niemand ein Döner-Buch geschrieben? Das meist verkaufte Fast Food Deutschlands, Nummer 1, wird nicht mal in vielen Zeitungen und Zeitschriften erwähnt. So, wie jeder schonmal eine Curry Wurst, einen Hot Dog oder einen Burger probiert hat, hat doch fast jeder Deutsche zumindest einmal in seinem Leben einen Döner probiert. Und viele essen sogar mehrere im Monat oder sogar in der Woche.

Im Gegensatz zu anderen Fast Food Gerichten ist der Döner etwas gesünder. Klar, das Brot ist mit seinem Kohlenhydrat-Anteil nicht gerade leicht, dennoch sind die Zutaten, die großteilig aus Gemüse bestehen, nicht ungesund für unseren Körper. Wenn man dann noch die vegetarischen oder veganen Rezepte aus dem Buch nimmt, ist hier eine vollwertige Ernährung gewährleistet mit sehr wenig Fett.

Zurück zu „warum ich ein ganzes Buch darüber schreibe“: Ehrlich gesagt könnte ich mehrere Bücher nur über den Döner schreiben, denn es gibt viel über die Geschichte sowie deren Entwicklung, verschiedene Döner und Kebab Arten, zu berichten. Vielleicht gibt es irgendwann noch einen zweiten Band, ich spiele schon mit dem Gedanken, die verschiedenen Arten des Kebabs zu zeigen. Doch es war mir zuerst wichtig, einen Überblick zu schaffen, was ein Döner eigentlich ist, woher er ursprünglich kommt und warum Berlin immer als Mutterland des Döners bezeichnet wurde. Ich habe versucht, mit Vorurteilen aufzuräumen, den Döner in der Kunst und Kultur zu zeigen. Die gesundheitlichen Aspekte waren mir ebenso sehr wichtig sowie der Teil „Do it yourself“: Den Döner selbst zuhause nachzumachen. Mit Rezepten, die ich entwickelt und getestet habe, die zeigen können, wie ein Döner noch zubereitet werden kann außer mit Zwiebel, Salat, Soße und Tomaten.

Ich hoffe, es ist mir gelungen, das werdet ihr als Leser bewerten können. Ich freue mich darauf und sage ‚Danke‘ an alle, die mitgewirkt und sehr viel Geduld mitgebracht haben. Sicherlich treffen wir uns das ein oder andere mal an einem Döner Imbiss oder Restaurant, ich bin der, der die Döner im Minutentakt nachbestellt und verschlingt 😉

 

Geschrieben von Cihan Anadologlu

Fotocredits: Hakan Aydogan