Ausgezeichneter Wohnungsbau 2019 – Die Preisträger

Der Award Deutscher Wohnungsbau ist der erste Architekturpreis für Auftraggeber und Architekten im Bereich Geschosswohnungsbau. Die von der Fachjury ausgewählten Projekte in zwölf verschiedenen Kategorien präsentieren beispielhafte Lösungen für die wichtigste Bauaufgabe der Gegenwart. Gegenwärtig gibt es allein in Deutschland fast drei Dutzend Architekturpreise, mit denen Bauwerke und ihre Schöpfer gewürdigt werden. Doch wer an preisgekrönte Bauten denkt, hat vor allem Museen, spektakuläre Villen oder die repräsentativen Gebäude öffentlicher Institutionen vor Augen, aber nur selten Projekte der wohl wichtigsten und umfangreichsten Bauaufgabe unserer Zeit: Geschosswohnungsbau. Angesichts der Tatsache, dass hierzulande inzwischen 85 Prozent aller neu entstandenen Wohnungen im Geschosswohnungsbau entstehen, ist gleichwohl klar, dass diese Typologie das Bild unserer Städte und Gemeinden stärker prägt als aufsehenerregende Solitäre. Geschosswohnungsbau ist deshalb immer auch Städtebau, der über sich und seine konkrete Gestalt Aufschluss darüber gibt, wie eine Gesellschaft sich behaust. Und genau deshalb ist der Award Deutscher Wohnungsbau 2019 ein überfälliger Preis. Denn er würdigt jene Akteure, die in dieser bauwirtschaftlichen Alltäglichkeit eine Aufgabe erkennen, die wie kaum eine andere nach innovativen Konzepten und neuen gestalterischen Ideen verlangt. Denn so wie die Gesellschaft ändern sich auch die Ansprüche an das, was als Dach über dem Kopf nur mehr unzureichend beschrieben ist. Verstädterung, Zuwanderung, demografischer Wandel, klimatische Verschiebungen sowie die absehbare Endlichkeit irdischer Ressourcen sind nur einige der Entwicklungen, die auch den Wohnungsbau herausfordern.

Die Jury

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Ästhetische Gestaltung: Tegula-Villen in Heidelberg, Auftraggeber: Epple Projekt GmbH, Architekten: Element A Architekten
  • Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München GmbH (Expo Real)
  • Cornelia Dörries, Architekturjournalistin und Buchautorin
  • Isa Fahrenholz, Redakteurin Architektur-Magazin Baumeister
  • Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur
  • Ulrich Nolting, Geschäftsführer InformationsZentrum Beton
  • Amandus Sattler, Allmann Sattler Wappner Architekten
  • Josef Schmid, Mitglied des Ausschusses für Wohnen, Bau und Verkehr im Landtag
  • Prof. Sophie Wolfrum, Professorin für Städtebau und Regionalplanung an der TU München

Erster Preis Neubau

Neubau von vier Wohnhäusern und einem Verbrauchermarkt in Berlin

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Ästhetischer Gestaltung: The Twentyfive in Frankfurt am Main, Auftraggeber: Lang & Cie, Niedenau GbR, Architekten: Landes & Partner | Michael A. Landes Architekt BDA BDA, Frankfurt

Die Bauherrengemeinschaft Baugemeinschaft Pasteurstraße 19–25 GbR schließt mit 51 Wohneinheiten eine Baulücke von ehemals vier Parzellen im gründerzeitlichen Prenzlauer Berg. Dieser offensichtliche Maßstabssprung war historisch allein Schulbauten vorbehalten. In der beschädigten Struktur der Nachkriegszeit aber hatte sich dort ein freistehender Supermarkt etabliert, dessen Betreiber als Teil der Bauherrschaft nun mit seiner großen Verkaufsfläche geschickt in das Projekt eingebunden wird. Auftraggeber: Baugemeinschaft Pasteurstraße 19–25 GbR, Architekten: zanderroth architekten

Erster Preis Umbau

Paragon Apartments  in Berlin

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Ästhetischer Gestaltung: Myliusstraße 11 in Frankfurt am Main, Auftraggeber: Eigentümergemeinschaft Myliusstraße 11 GbR, Architekten: Landes & Partner | Michael A. Landes Architekt BDA BDA, Frankfurt

An der Schnittstelle zwischen Blockrand und offener Bebauung hat GRAFT in einer gelungenen Einheit von Um- und Neubauten ein durchlässiges Wohnquartier entwickelt, das die urbanen Qualitäten der angrenzenden Umgebung mit dem parkartigen Umfeld verbindet. Um den über 25.000 Quadratmeter großen Komplex kleinteilig und die 37-Quadratmeter-Apartments wiederum großzügig wirken zu lassen, hat GRAFT sich einiger Kunstgriffe bedient. Auftraggeber: Trockland Management GmbH, Architekten: GRAFT

Anerkennung Neubau

Neubau Wohnhaus für eine Baugruppe in Berlin

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Ästhetischer Gestaltung: Villengarten in Stuttgart, Auftraggeber: Epple Projekt GmbH, Architekten: Kühn Malvezzi Associates GmbH

Der Neubau des Wohnhauses für eine Baugruppe in der Hochstraße in Berlin-Wedding ist ein gewagtes Projekt. Denn es steht an einem Ort, der eigentlich nicht bebaut werden kann. Das Grundstück wird eingerahmt von den Gleisen der Ringbahn und des Güterverkehrs auf der Nordost-Seite und von einer Hochstraße auf der Südost-Seite. Zudem eignete sich der dreieckige Zuschnitt des Grundstücks auch nur bedingt für die Errichtung eines im Geschosswohnungsbau üblichen rechteckigen Baukörpers. Doch die Architekten ARGE H6 haben zusammen mit der Baugruppe aus der Not eine Tugend gemacht, die Kubatur an die Grundstücksform angepasst und an die Längsseite des Grundstücks im Norden gesetzt. Auftraggeber: Planungs- und Baugemeinschaft Hochstraße 6 GbR, Architekten: ARGE H6 Architekten – sieglundalbert Gesellschaft von Architekten  mbH und roedig . schop architekten

Anerkennung Neubau

Ausbauhaus in Berlin

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Experimenteller Ansatz: Vier gewinnt in Saarbrücken, Auftraggeber: Baugruppe August-Macke-Straße 1, 3, 5, 7, Saarbrücken, Architekten: Architekt Gerald Erdudatz

Für Familien gedacht, bezahlbar und berlinerisch individuell: 37 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten gehören zum Projekt „Ausbauhaus Lichtenberg“, gelegen im ehemaligen Sanierungsgebiet Kaskel-Kiez, östlich vom Bahnhof Ostkreuz. Der Clou: Die Käufer können zwischen drei Ausbaustufen wählen – von „Rohbau“ über „Wohnung“ bis „Loft“. Die entsprechend gestaffelten Preise beginnen bei 1.250 Euro pro Quadratmeter. Wer handwerklich versiert ist oder sich in keinen Standard pressen lassen will, kann seine Wohnung kreativ ausbauen. Auftraggeber: Lichtenberg GbR, Architekten: Praeger Richter Architekten

Anerkennung Neubau

Wohnvielfalt am Grasbrookpark in Hamburg,

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Generationswohnen: Zu Hause in Ostholstein in Scharbeutz, Auftraggeber: WOBAU – Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein mbH, Architekten: Roden & Kuhfeldt Partnerschaft

Was zeichnet ein neues lebhaftes Wohnviertel mit 400 Bewohnern als Quartiersentwicklung in der HafenCity aus? Es ist die gelungene soziale Mischung, das Miteinander verschiedener Wohnformen und Nutzungen. Geförderter Wohnungsbau, Baugemeinschaft und Sonderwohnformen, gemischt mit Kita, Restaurant und Einzelhandel. Vor Jahren unvorstellbar, heute das Erfolgskonzept. Bereits in der Konzeptvergabe des Grundstücks von der Stadt angelegt und durch den Architekturwettbewerb befördert, ist hier ein beispielhaftes neues Stück Stadt im Niemandsland entstanden. Die geforderte hohe bauliche Dichte wurde spannungsvoll, mit einer skulptural langgestreckten, großformatigen Blockstruktur mit drei Einschnitten für bessere Belichtung und Ausblicke überzeugend gelöst. Auftraggeber: Hansa Baugenossenschaft, Architekten: BKK-3 Architektur ZT GmbH

 

Anerkennung Umbau

Wohnen in der Kirche in Berlin

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Innovative Fassade: Neubau am Pfälzer Platz in Magdeburg, Auftraggeber: Die Stadtfelder Wohnungsgenossenschaft eG, Architekten: arc architekturconzept GmbH; www.diestadtfelder.de

Wer möchte nicht in dem ehemaligen Kirchen- raum, auf seinem Sofa sitzend, die Sonne durch die hohen Fenster scheinen sehen? Wen reizt es nicht, durch einen ehemaligen Kirchturm zu seiner Wohnung emporzusteigen? Und wer würde nicht gerne im stillen Teil Kreuzbergs wohnen? All das ermöglicht diese säkularisierte Kirche, die die Architekten gemeinsam mit einer Baugruppe um- bauten und umnutzten. Doch nicht nur der außergewöhnliche Wohnraum, der dadurch entstand, ist lobenswert. Sondern vielmehr noch die Tatsache, dass ausgerechnet einem Sechzigerjahrebau – häufig eher unbeliebtes Bauerbe – wieder Leben eingehaucht wurde. Auftraggeber: Planungs- und Baugemeinschaft K47 GbR, Architekten: sieglundalbert Gesellschaft von Architekten mbH

Anerkennung Umbau

Grüner Klosteranger in Weyarn

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Mischnutzung: Sonnenhof in Jena, Auftraggeber: Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeiss“ eG, Architekten: J. MAYER. H. und Partner, Architekten mbB

Der grüne Klosteranger Weyarn schafft es in vorbildlicher Weise, den Altbestand des ehemaligen Klosters mit neuen Gebäuden zu verbinden. Historisches kann dadurch bewahrt werden, ohne die Funktionalität im Hinblick auf die spezielle Wohnungsbauaufgabe zu beeinträchtigen. Die spezielle Wohnungsbauaufgabe ist: Mehrgenerationen- Wohnen! Ein Konzept, das schon heute zählt, noch mehr aber in Zukunft zählen wird. Gebäudetypologien wie Wohneinheiten sind dabei alles andere als monoton, sondern bieten Abwechslung und Vielfalt. Mauerwerk und Holzapplikationen, insbesondere bei den Fassaden, verbinden sich zu einem Typus, der zum Ort und zur Landschaft passt. Die Wohnungen sind in all ihrer Unterschiedlichkeit hell, freundlich, heimelig und stets qualitätvoll. Auftraggeber: Quest AG, Architekten: leupold brown goldbach architekten,

 

Anerkennung Umbau

Unique³ in Saarbrücken

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Mischnutzung: Rathausarkaden in Essen-Kettwig, Auftraggeber: k+ Projekt GmbH, Architekten: Kirchner Architekten Partnerschaft mbB

Nach der Entdeckung der gründerzeitlichen Fabriketage hat es ein bisschen gedauert, doch nun hat auch das Bürogebäude den Tauglichkeitstest als Wohnhaus bestanden. Mit dem Unique3 in Saarbrücken ist sogar ein ganzes Quartier entstanden, dessen Kern ein denkmalgeschütztes Verwaltungsgebäude aus den 1960er-Jahren bildet. Dieses Bauwerk mit einem enormen technischen und energetischen Nachholbedarf wurde von Hauser Architekten einer Metamorphose unterzogen und für die Nutzung als Wohngebäude umgebaut.Der Bestand zeigt sich heute profund modernisiert und komplett restrukturiert und genügt auch höheren Wohnansprüchen, ohne dass seine elegante architektonische Erscheinung darunter gelitten hätte. Auftraggeber: Bauwerk Immobiliengesellschaft mbH & Co. KG, Architekten: Hauser Architektur

Folgenden Objekten hat die Jury eine Auszeichnung zugesprochen: