1. Wie kam es dazu, dass Sie als Autorin für das Buch „Frauen des Jahres“ von herCAREER ausgewählt wurden?

Nach vielen Jahren als Journalistin war es immer mein Traum, auch eigene Bücher zu schreiben. 2016 bekam ich erstmals die Gelegenheit, für den Callwey Verlag das Buch „Fashion at Home“ zu realisieren und zu veröffentlichen. Der Kontakt zur Verlegerin Marcella Prior-Callwey ist seitdem nie abgebrochen und ich war sehr erfreut, als sie mich für das Projekt „Frauen des Jahres“ anfragte. Im Gegensatz zu einzelnen Artikeln für Zeitungen oder Zeitschriften ist das Schöne an Buchprojekten, dass man sich dabei über einen längeren Zeitraum mit einer Thematik beschäftigen kann. Über Frauen und ihre Karrierewege zu schreiben, hat mich aus zwei Gründen gereizt: Es ist ein gesellschaftlich relevantes Thema und ich liebe es, andere Menschen kennenzulernen, etwas über ihr Leben und ihre Arbeit zu erfahren.

 

  1. Während Ihrer Karriere als Journalistin und Autorin haben Sie bestimmt auch immer selbst vieles dazugelernt. Wie haben Sie die Gespräche mit den 24 Frauen erneut inspiriert? Was konnten Sie mitnehmen?

Für mich war es sehr spannend zu sehen, wie sich die Businesswelt und die Art zu arbeiten im Laufe der Jahre verändert haben. Als ich Anfang der Neunziger Jahre in meinem Beruf anfing, war der Führungsstil oft noch sehr hierarchisch geprägt, so etwas wie Work-Life-Balance kannten wir nicht. Gerade in unserer Branche wurde oft die Nächte durch bis zum Umfallen gearbeitet, auf uns und unsere Gesundheit haben wir wenig geachtet. Gleichzeitig bedeuteten Kinder für die viele Frauen damals noch das Karriereaus. Es gab keine ausreichende Kinderbetreuung, Chefs hatten wenig Verständnis für flexible Arbeitszeiten und für die meisten Väter war Elternzeit noch ein Fremdwort. Auch wenn, gerade in Deutschland, noch viel Luft nach oben ist, finde ich es toll zu sehen, dass es heute mehr Frauen und auch Mütter an die Spitze geschafft haben und dass sie mit ihren weiblichen Soft-Skills für mehr Teamwork und Miteinander in den Chefetagen sorgen.

 

  1. Nachdem Sie Einblick in Branchen außerhalb Ihres eigenen Fachgebiets erhalten haben: Gibt es ein Thema, das Sie nun mehr interessiert und anspricht als zuvor?

Genau darum liebe ich meinen Beruf: Mit jeder neuen Aufgabe lerne ich Neues kennen, beschäftige mich mit Themen, von denen ich vorher meistes keine Ahnung hatte. So war es auch bei diesem Buch: Ich weiß nun viel besser, was die Exhibition Direktorin der World of Quantum genau macht, wobei Interkulturelles Coaching hilft oder wie man Professorin wird. Grundsätzlich interessiert mich erstmal alles. Mir ist dabei völlig egal, ob mir eine Dachdeckerin oder eine Vorstandsvorsitzende gegenübersitzt. Denn meist hat jede und jeder etwas Spannende zu erzählen. Ich kann mich über jedes neu gewonnene Wissen freuen. Es erweitert den Horizont, schützt vor Stillstand im Kopf.

 

  1. Wie bringt man das Thema Karriere menschlich, locker und nahbar an den Leser?

Indem man den Menschen hinter der Karriere zeigt und lebendig werden lässt. Die Kunst dabei ist es, Kompliziertes so einfach und das Schwere so leicht wie möglich zu beschreiben, sich nicht hinter Marketingfloskeln oder Fachchinesisch zu verstecken. Eine Aneinanderreihung von Fakten, Zahlen und Jobbeschreibungen wird schnell langweilig. Lässt man aber die Frauen erzählen, wie sie wurden, was sie sind, welche Wege oder auch Umwege sie gegangen sind, wie sie Schwierigkeiten gemeistert haben, wer oder was ihnen geholfen hat, dann wird es spannend. Genau das ist es doch, was wir als Leserin erfahren wollen.

 

  1. Jede Protagonistin des Buchs gibt drei Karrieretipps an die Hand. Haben Sie selbst drei Tipps, die Ihnen geholfen haben?

1. Guck dir an, wie es andere gemacht haben, aber geh immer deinen eigenen Weg. Was für die eine gut war, muss für einen selbst noch lange nicht richtig sein.

2. Ein Einser-Abi oder ein Uni-Abschluss mit Summa cum laude sind keine Garanten für Erfolg. Man kann es auch über Umweg schaffen. Gerade in kreativen Berufen sind die Quereinsteiger oft die besten. Was man aber unbedingt mitbringen sollte ist – Leidenschaft, für das, was man tut.

3. Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Man kann auch mit 50 Jahren noch Medizin studieren (wie die Schauspielerin Marianne Koch) oder endlich den kleinen Concept-Store eröffnen, von dem man schon immer geträumt hat. Nur Mut!

 

Fotocredit: Martina Klein