Wohnbauten des Jahres 2022 – Die Award-Gewinner

In diesem Jahr wurden wieder die 50 eindrucksvollsten Wohnbauten gesucht und die Entscheidung ist endlich gefallen. Mit dem Wettbewerb Wohnbauten des Jahres 2022 standen nicht nur die ideenreichsten Baukonzepte in Fokus, sondern auch ihre optimale Boden- und Raumnutzung im gesellschaftlichen und sozialen Kontext. Ausgewählt wurde sie von einer Fachjury bestehend aus Reiner Nagel (Vorstandsvorsitzender Bundesstiftung Baukultur und Juryvorsitzender), Prof. Markus Binder (Architekt, CAPE – climate_architecture_physics_energy und Vorjahressieger), Simon Dietzfelbinger (Head of Residential Properties Drees & Sommer), Andrea Gebhard (Präsidentin Bundesarchitektenkammer), Annegret Haider (Architektin, einszueins architektur und Vorjahressiegerin), Cornelia Hellstern (Architekturkommunikation, Dozentin und Autorin), Ulrich Nolting (Geschäftsführer InformationsZentrum Beton), Dr. Fabian Peters (Chefredakteur Architekturmagazin Baumeister) und Josef Schmid (Mitglied des Ausschusses für Wohnen, Bau und Verkehr im Bayerischen Landtag). Wir präsentieren Ihnen die Award-Gewinner der Wohnbauten des Jahres 2022!

1. Preis

Dass Klimaneutralität im Bauwesen möglich ist, das beweisen hier in Brandenburg Praeger Richter Architekten mit Unterstützung der Baugruppe Ausbauhaus Neuruppin mit ihren beiden Mehrfamilienhäusern am Rande der historischen Altstadt Neuruppins. Das Ensemble der Massivholzhäuser Neuruppin mit seinen 23 kostengünstigen Miet- und Eigentumswohnungen verbindet sämtliche relevante Aspekte zum Erreichen der gesteckten Klimaziele. Laut Vorjahressiegern Annegret Haider ein verdienter erster Preis: „Hier lässt es sich wohnen! Und das Ganze auch noch ökologisch und leistbar! Chapeau!”

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Massivholzhäuser Neuruppin | Bauherr: Baugruppe Ausbauhaus Neuruppin GbR (Gartenhaus) | Architektur: Praeger Richter Architekten, BDA | Foto: Andreas Friedel
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Foto: Andreas Friedel
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Foto: Paul Zöll
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Foto: Andreas Friedel
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Foto: Andreas Friedel

Anerkennung

In Rahmen der Wohnbauten des Jahres 2022 wurden neben dem 1. Preis in diesem Jahr auch 8 Anerkennungen vergeben.

2017 kaufte Euroboden das Grundstück mit dem ältesten erhaltenen Bauernhaus Münchens und entwickelte zusammen mit Peter Haimerl ein Nutzungs- und Sanierungskonzept für den Neuen Derzbachhof, das raumstation Architekten aus Starnberg realisierten: In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalschutz wurde der historische Hof saniert und mit Gemeinschaftsflächen sowie vier Mietwohnungen revitalisiert. „Es ist mit Bravour gelungen, die Idee der Hofgemeinschaft mit dem sanierten Bauernhaus als Treffpunkt der Hofbewohner umzusetzen,” lobt Juror Josef Schmid die Anerkennung.

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Der Neue Derzbachhof, Forstenried | Bauherr: Euroboden GmbH | Architektur: raumstation Architekten GmbH | Foto: Thomas Weinberger
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Foto: Thomas Weinberger

Für eine schmale, polygonale Parzelle, die über eine steil nach Osten abfallende Topografie die Büelrainstrasse mit der Gutstrasse verbindet, entschied sich der Bauherr Habitat 8000 für die Abtragung der sanierungsbedürftigen Mehrfamilienhäuser aus den Fünfzigerjahren und für eine kompakte Nachverdichtung. Verantwortlich für den Lichtblick zeichnet das Büro Rothen Architektur zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Vetschpartner. Juryvorsitzender Reiner Nagel ist begeistert: „Das umfangreiche Raumprogramm ist städtebaulich optimal umgesetzt und in die Topografie eingefügt worden.”

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Lichtblick, Winterthur | Bauherr: Habitat 8000 | Architektur: Rothen Architektur GmbH | Foto: Ruzha Trifonova Schemmekes
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Foto: Birgit Rothen
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Foto: Ruzha Trifonova Schemmekes

Die markante Form und klare, reduzierte Sprache, die Baumschlager Hutter Partners zusammen mit raumvier projektentwicklung für das Mehrfamilienhaus M44 mit 13 Wohnungen entwickelt haben, ist eine zeitgemäße und überzeugende Antwort im räumlichen Kontext des ländlichen sowie urbanen Vorarlberger Alpenrheintals. „Insgesamt eine selbstbewusste, moderne und regional verankerte Architektur für das neue Wohnen in Stadt und auf dem Land,” findet Reiner Nagel.

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Mehrfamilienhaus M44, Dornbirn | Bauherr: raumvier projektentwicklung gmbh | Architektur: Baumschlager Hutter Partners | Foto: Albrecht Schnabel
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Foto: Albrecht Schnabel

Aus dem Kontext des südlichen Eingangbereichs der Ingolstädter Altstadt heraus entwickelten die Architekten von nbundm* mit dem Stadthaus Donaustraße ein traufständiges Wohngebäude und schlossen damit eine der wenigen verbleibenden Baulücken in der Altstadt, in der jahrzehntelang ein eingeschossiger Behelfsbau aus der Nachkriegszeit einen Teil der Fläche einnahm. Vorjahressieger Markus Binder zufolge „leistet es einen vorbildlichen Beitrag zur Frage eines angemessenen Weiterbauens unserer Städte.”

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Stadthaus Donaustraße, Ingolstadt | Architektur: nbundm* | Foto: Sebastian Schels
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Foto: Sebastian Schels
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Foto: Sebastian Schels

Die Weiterführung von Architektur und Stadt mit „frischem Gedankengut” stellen Planungsmanufaktur Studio Cross Scale und Bauherrschaft Südwesttextil e.V. mit ihrem Projekt K59 gekonnt in Stuttgart unter Beweis: Der alltäglichen Bauaufgabe der Gebäudeaufstockung und des Dachausbaus begegnen sie mit einer räumlich umgewöhnlichen, austariert gestalteten Dachlandschaft. Die Architekten „nutzten die Chance, dem Gebäude neuen Reiz zu verleihen,” wie Juror Dr. Fabian Peters anerkennend schreibt.

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K59 – Dachaufbau in Kupfer, Stuttgart | Bauherr: Südwesttextil e.V. | Architektur: STUDIO CROSS SCALE | Foto: Sascha Bauer
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Foto: Sascha Bauer

Mit dem Bau von Haus Liselotte – Wohnungsbau für Pflegekräfte in Ostfildern-Ruit, für das sich die Architekten Kauffmann Theilig & Partner aus einem benachbarten Stadtteil verantwortlich zeichnen, verfolgt die Erich und Liselotte Gradmann-Stiftung folgendes Ansinnen: Durch den immer knapper werdenden Wohnraum und den damit einhergehenden Anstieg der Mietpreise bietet sie im Haus Liselotte Pflegekräften sowie Mitarbeitern anderer sozialer Berufe 14 Wohnungen zu ermäßigtem Mietpreis – nicht zuletzt, um im Raum Ostfildern mehr Arbeitskräfte für die Pflegeberufe zu gewinnen. Laudator Ulrich Nolting würdigt die Architektur: „Das sechsgeschossige Bauwerk wirkt mit seiner Höhe, die die umliegenden Bauwerke deutlich überragt, wie ein Statement an diesem Ort.”

SO: Fassade
Haus Liselotte – Wohnungsbau für Pflegekräfte, Ostfildern-Ruit | Bauherr: Erich und Liselotte Gradmann-Stiftung | Architektur: Kauffmann Theilig & Partner, Freie Architekten PartGmbB | Foto: Roland Halbe
4OG: Wohnung
Foto: Roland Halbe
2. OG Wohnung Galerie
Foto: Roland Halbe

Im Zuge der Entwicklung des Grundstücks und der angrenzenden Parzelle zu einer Wohnanlage mit insgesamt 35 Ein- bis Vierzimmerwohnungen beauftragte Schultheiss Wohnbau die Architekten Hild und K mit der Planung des Projekts Wohnen an der Werderstraße. Juror Simon Dietzfelbinger ehrt die verdiente Anerkennung in seiner Laudatio: „Die Jury des Wettbewerbs hat diesen aktiven Hinweis auf die Historie in Verbindung mit der insgesamt gelungenen Integration in die gründerzeitliche Umgebung gewürdigt.”

Architektur
Wohnen an der Werderstraße, Nürnberg | Bauträger: SCHULTHEISS Wohnbau AG | Architektur: Hild und K | Foto: Michael Heinrich
Architektur
Foto: Michael Heinrich
Architektur
Foto: Michael Heinrich

Das lebendige und vielfältige Quartier auf dem ehemaligen Mühlengrundstück ergänzt die Bauherrengemeinschaft Beznerturm, die das ehemalige Verwaltungsgebäude der Fabrik, den Beznerturm, gemeinsam mit bächlemeid architekten stadtplaner aus Konstanz zu insgesamt zehn Wohnungen und einer Gewerbeeinheit im Erdgeschoss umgebaut und erweitert hat. „Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass Baugemeinschaften oft besonders gute Lösungen hervorbringen, weil sie keine Renditeprojekte sind, sondern neue Heimat für Menschen schaffen. Wir sind der Meinung, dass dies mit diesem Gebäude mit der Revitalisierung einer alten Bausubstanz ungewöhnlich gut gelungen ist,” so Laudatorin Andrea Gebhard.

NW: Fassade, Totale, Turm, Werkhalle
Beznerturm, Ravensburg | Bauherr: Bauherrengemeinschaft Beznerturm GbR | Architektur: bächlemeid architekten stadtplaner bda | Foto: Roland Halbe
NO: Totale, Turm
Foto: Roland Halbe
N: Fassade, Turm, Hof
Foto: Roland Halbe

Fotografiepreis

Erstmals haben wir in diesem Jahr den Fotografiepreis im Rahmen der „Wohnbauten des Jahres 2022” verliehen. Mit diesem Preis möchten wir uns ganz herzlich bei den Architekturfotografen bedanken, die unseren Wettbewerb überhaupt möglich machen. Liebend gerne würden wir zu den schönen Gebäuden reisen, um sie einmal mit eigenen Augen zu sehen. Leider fehlt uns hierzu die Zeit. Sie rücken die eingereichten Projekte mit Ihren Fotografien trotzdem in das beste Licht und stellen der Jury so eine valide Bewertungsbasis zur Verfügung.

In diesem Jahr konnte Ruedi Walti mit seinen Fotografien des Weltpostparks Bern überzeugen. Autorin Cornelia Hellstern ist schon lange begeistert von den Aufnahmen des Basler Architekturfotografen, der das Bild des Schweizer Bauens seit über 30 Jahren prägt: „Die Fotografien von Ruedi Walti betrachtet man nicht einfach nur. Man nimmt sie wahr, man spürt die innewohnende Lebendigkeit. Sie scheinen uns an das zu erinnern, was wir kennen, was uns vertraut ist. Wir nähern uns dem Ort, begreifen ihn, ohne vor Ort zu sein.”

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Weltpostpark Bern | Bauherr: Swiss Prime Site Immobilien AG | Architektur: SSA Architekten AG | Foto: Ruedi Walti

Lösungen des Jahres

Im Rahmen des Wettbewerbs Wohnbauten des Jahres 2022 wurden zudem 5 Produkte als die Lösungen des Jahres ausgezeichnet.

1. Preis: Kategorie Fenstersysteme

Beck+Heun GmbH: WINDOWMENT® (Modulares Fenster-Komplettsystem)

Auszeichnung: Kategorie Außenwand + Fassade

HECK Wall Systems GmbH: HECK MW A1 (Wärmedämmverbundsystem)

Auszeichnung: Kategorie Decke, Wand, Boden

Troldtekt GmbH: Cradle to Cradle zertifizierte Troldtekt® Designlösungen (Akustikplatten für Wand und Decke)

Auszeichnung: Kategorie Gebäudetechnik

TECE GmbH: TECEsystem Sanitär- und Installationswände (Sanitärwände und -schächte für serielles Bauen/ industrielle Vorfertigung)

Auszeichnung: Kategorie Sanitär

TECE GmbH: TECEprofil WC-Modul mit integrierter Hygienespülung

Ausgezeichneter Wohnungsbau 2022 – Das Buch

Der Award „Wohnbauten des Jahres” im Callwey Verlag ist die einzige Auszeichnung im Bereich Geschosswohnungsbau, die Bauherren und Architekten gemeinsam auszeichnet. Die von einer Fachjury ausgewählten 50 besten Wohnbauten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz werden in der Publikation ausführlich mit Fotografien, Plänen und Projektdaten vorgestellt. In ergänzenden Interviews erläutern Architekten und Bauherren, wie sie mit ihren Projekten auf die aktuellen Anforderungen und relevanten Themen reagieren. Unterteilt in zwölf Kategorien – vom Experimentellen Ansatz bis zur Quartiersentwicklung – ist dieses Callwey Buch eine unverzichtbare Inspirations- und Informationsquelle für alle Entscheidungsträger und Planer in der Wohnungsbaubranche. Das Buch „Ausgezeichneter Wohnungsbau 2022“ ist ab 11. Oktober 2022 überall erhältlich.

Eine dazugehörige Ausstellung mit den 50 Wohnungsbauten und den fünf Produkten des Jahres 2022 ist vom 10. bis 31. Oktober im Haus der Architektur in der Waisenhausstraße 4 in München zu sehen.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern sowie bei unseren Partnern Drees & Sommer, InformationsZentrum Beton, architektur.aktuell, Baumeister, Bundesarchitektenkammer, TEC21/espazium, Expo Real und Immobilienverband IVD Bundesverband.

Die nächste Auslobungsrunde für die „Wohnbauten des Jahres 2023” startet am 06. Dezember 2022.