Was Büros vom Hotel lernen können
Elena de Kan leitet bei Steelcase die Abteilung Workplace Design and Consulting EMEA und führt mit ihren Teams in München, London und Cluj Arbeitsplatzstrategien für Unternehmen und Hochschulen durch den Wandel. Ausgebildet als Industriedesignerin und Designtheoretikerin – mit Abschlüssen der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und der Vrije Universiteit Amsterdam –, spezialisiert auf Design Thinking, arbeitete sie zuvor bei IDEO, Atelier 522, KMS und Blackspace, bevor sie 2019 zu Steelcase wechselte.
Beim Best of Architecture Summit 2026 vertritt sie im Panel „Check-in ins Büro: Was der Arbeitsraum vom Hotel lernen muss“ die Workspace-Strategie-Seite und hat uns dazu im Vorhinein bereits ein paar Fragen im Interview beantwortet:
Zur Kundenperspektive
„Sie begleiten Unternehmen durch Change-Prozesse, wenn sich ihre Arbeitswelten verändern. Was verlangen Kunden heute am häufigsten und was brauchen sie tatsächlich, ohne es selbst zu wissen?“
E. de Kan: „Am häufigsten werden wir für Raumplanung und Gestaltung angefragt oder für Change Management zu einem Konzept, das bereits steht. Beides machen wir gern. Am meisten bewegen können wir allerdings, wenn wir früher dazukommen. Denn Wandel beginnt schon ganz am Anfang eines Projekts, eigentlich sogar davor. Ob ein Projekt wirklich etwas verändert, entscheidet sich fast immer daran, ob Menschen sich in ihren Tätigkeiten und Bedürfnissen gesehen fühlen. Der Schlüssel liegt in der Unterscheidung zwischen Bedarf und Wunsch. Der Wunsch nach einem eigenen Büro kann die sinnvolle Konsequenz einer Tätigkeit sein. Er kann aber auch für ein Bedürfnis nach Repräsentation oder Rückzug stehen. Jede Ausgangslage verlangt eine andere Antwort. Das Einzelbüro ist dabei manchmal, aber nicht immer die effektivste. Am spannendsten und erfolgreichsten wird die Zusammenarbeit meist dort, wo wir gemeinsam die Zielsetzung schärfen. Wenn neben Flächeneffizienz auch Effektivität und Wohlbefinden als Ziele anerkannt, artikuliert und entlang strategischer Ambitionen gemessen werden, verändert das ein Projekt von Anfang an.“
Zur Designerin zwischen Theorie und Praxis
„Sie sind ausgebildete Industriedesignerin und Designtheoretikerin zugleich. Verändert dieser doppelte Blick, wie Sie über Räume nachdenken – zwischen konzeptioneller Idee und der Frage, was tatsächlich im Alltag funktioniert?“
E. de Kan: „Ich würde sagen: ja. Über die Zeit ist aus dem doppelten Blick ein erweitertes Feld geworden: für Wissen, Ideen und das Vorhersehen von Konsequenzen – positiven, negativen und ambivalenten. Theorie leistet dabei zweierlei: Sie inspiriert, und sie erlaubt, eine Idee zu prüfen, bevor sie umgesetzt ist. Unser Blick im Jetzt ist immer begrenzt. Was wir hier und heute entwerfen, lässt sich mit dem verbinden, was andere in anderen Disziplinen, an anderen Orten oder zu anderen Zeiten bereits untersucht haben. Eine scheinbar einfache Frage wie „Pflanzen im Büro und natürliche Materialien – ja oder nein?“ bekommt durch die Forschung zur Biophilie eine ganz andere Relevanz und eine fundierte Richtung. Genauso wichtig sind aber die Beobachtung, das Experimentieren und Iterieren – und am Ende entscheidet der Alltag, ob ein Entwurf nicht nur auf dem Papier, sondern im echten Leben funktioniert und trägt. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass es in der Bibliothek genauso viel zu lernen gibt wie in der Werkstatt. Und umgekehrt.“
Zur Zukunft der Arbeit
„Wenn Homeoffice nicht mehr die Vergleichsgröße ist, sondern das Hotel: Was ist dann in fünf Jahren die neue Messlatte, an der sich ein gutes Büro messen lassen muss?“
E. de Kan: „Hotels haben zum großen Teil etwas verstanden, das in der Arbeitswelt bis heute unterschätzt wird: Wie sich ein Ort anfühlt, ist ein wesentlicher Teil dessen, wie gut er funktioniert. Diese Erfahrung entsteht nicht zufällig, sondern muss bewusst gestaltet werden. Gerade in Deutschland denken wir oft noch in einem Gegensatz zwischen Funktion und Ästhetik. Vielleicht haben wir „form follows function“ über die Jahre etwas zu eng ausgelegt. Denn für Menschen gehört die emotionale und ästhetische Wirkung eines Ortes – auch wenn sie unbewusst bleibt – zu seiner Funktion dazu. Ein Raum kann technisch und ergonomisch perfekt sein. Wenn er kalt, überfordernd oder uninspirierend wirkt, erfüllt er seine Aufgabe dennoch nicht vollständig. Und je stärker unser Geist durch Komplexität, Informationsflut und ständige Unterbrechungen unter Druck gerät, desto wichtiger wird dieses Verständnis. Hotels haben längst verstanden, dass Menschen nicht (nur) für ein Bett zurückkommen, sondern für die gesamte physische, kognitive und emotionale Erfahrung, die ein Ort ermöglicht. Das Gleiche gilt für Büros. Gute Arbeitsorte unterstützen Menschen dabei, sich verbunden zu fühlen, zu lernen, konzentriert und kreativ zu sein und gemeinsam wirksam zu werden. Daran wird sich auch ein gutes Büro künftig messen lassen müssen.“
Jetzt Tickets für den Best of Architecture Summit sichern: https://www.eventbrite.de/e/best-of-architecture-2026-tickets-1985510770162?aff=eemailordconf&ref=eemailordconf&utm_campaign=order-confirm-bcc&utm_medium=email&utm_source=eventbrite&utm_term=viewevent
