Diesen Monat dürfen wir ein richtiges Power-Couple als Autoren des Monats begrüßen und gleichzeitig den bevorstehenden Release ihres neuen Buches feiern. 360° Berlin gewährt einen ganz persönlichen Blick auf Berlin und teilt Katharinas und Tims Lieblingsorte und Geheimtipps, gespickt mit Rezepten zwischen Berliner Klassikern, Alltag und moderner Küche. Für unser Interview teilen die beiden Tipps und Empfehlungen und erlauben uns noch tiefere Einblicke in ihr Berlin. Ehrlich, authentisch, ein bisschen direkt und auf jeden Fall außergewöhnlich zeigt sich Berlin so, wie es nun mal ist. Und wenn du weißt, wer du bist und wo du hinmöchtest, dann sagt Berlin: „Komm rein, wenn du dich traust und wenn du mutig genug bist, du selbst zu sein, dann kannst du es sein.“ Und das ist es, was dieses Buch vermitteln möchte, sagt Katharina Raue. „Du kannst all das sein, was du sein möchtest.“ Und wenn ihr nach diesem Interview neugierig seid, dann solltet ihr euch 360° Berlin nicht entgehen lassen.
Wenn ihr das ganze, ungekürzte Interview sehen möchtet, schaut gerne einmal auf Instagram vorbei. Dort könnt ihr euch das Video in voller Länge anschauen.
Man sagt, Berlin ist eine Stadt mit Charakter. Was macht diesen Charakter aus und Berlin damit so besonders? Wie schlägt sich das in der Kulinarik Berlins nieder?
Katharina: Diese Frage kann man von zwei Standpunkten aus beantworten. Ich als Zugezogene und er als Urberliner, und ich muss sagen, Berlin ist so vielfältig, so divers, das kenne ich sonst nur aus London oder LA. Wobei nicht mal LA ist so vielfältig. Ich habe hier asiatische Kultur, dann habe ich wirklich noch diese Wirtshauskultur in Berlin und dann habe ich diese coolen Restaurants, in denen man junge Leute schauen gehen kann.
Tim: Und all das ist eben Berlin. Vom Sterne-Niveau über Casual, Streetfood und die Imbissbude. Es ist einfach so, dass die Menschen, die nach Berlin kommen, ihre Kulinarik mitbringen und dass wir mit dem Buch rausgesucht haben, wo ihr das finden könnt. Wo könnt ihr die geilsten Böreks aus Sarajevo im Sarajevo essen. Wo könnt ihr herausragend asiatisch essen. Zum Beispiel bei unserem Kumpel Duc in seinem Madame Ngo oder wo gibt es, wie im Tulus Lotrek, eine hinreisende Sterneküche die für Berlin par ecellence steht.
„Die Menschen kommen nicht nach Berlin, weil hier alles bequem ist. Sie kommen, weil hier etwas möglich scheint, das woanders keinen Platz hat.“ Dieses Zitat aus dem Buch macht neugierig. Was sind diese Möglichkeiten, die nur in Berlin möglich scheinen?
Katharina: Berlin ist eine Stadt für Leute, die wissen, wer sie selbst sind. Wenn du nicht weißt, wer du selbst bist, dann wirst du in Berlin im Strudel verlieren. Aber wenn du eine ziemlich genaue Vorstellung davon hast, wo du hin möchtest, gibt dir Berlin alle Möglichkeiten, dich selbst zu verwirklichen, um einfach das darzustellen, was du immer schon sein wolltest.
Tim: Und es gibt hier noch Mietpreise, die im Vergleich zu München, Hamburg oder auch Köln den Raum geben können. Das heißt, hier finden Künstler und Künstlerinnen noch den Ort, an dem sie performen können, und es ist natürlich eine Stadt, die schon immer ganz viel zugelassen hat. Die Kreuzberger Idee, dass jeder mit jedem hier leben darf und kann, die ist noch da. Und Berlin gibt dir das Versprechen, dass, wenn du anders bist, du hier deinen Platz, deine Bubble finden kannst.
Katharina: Oh ja, apropos Bubble. Da gibt es so viele, und es macht wirklich viel Sinn, aus seiner eigenen hinauszugehen und andere kennenzulernen. Das macht Berlin wirklich aus. Diese Vielfalt, dieses Neugierige, und das wollten wir ausdrücken.
Tim: Und das Entscheidende ist eben, dass es die kulinarischen Orte sind, an denen man das finden kann. Orte der Begegnung, wo du nationalen, internationalen, lang gedienten und immer schon fest verwurzelten Berlinern begegnen kannst und dich austauschen kannst.
Wenn du neue Rezepte entwickelst, woher nimmst du die Inspiration dafür? Ist es ein langwieriger Prozess oder eher ein plötzlicher Aha-Moment?
Katharina: Also ich weiß, dass die Frage zwar an ihn geht, aber ich würde das auch gerne beantworten. Ich bin die Muse. Nicht für alles, aber für einiges. Oder? Bitte sag ja, bitte sag ja.
Tim: Ja, auf jeden Fall! Es ist einfach so, dass das völlig unterschiedlich ist. Manche Rezepte entstehen sehr schnell, wie zum Beispiel für den Falschen Hasen, weil da eine Prägung durch meine Großmutter da war, die wir einfach verfeinert haben, und es gibt eben andere Rezepte, die brauchen ewig lange. Da geht es dann nicht um Wochen, sondern oftmals um Monate. Manchmal schiebt man ein Gericht auch mal beiseite, holt es dann zwei, drei Monate später wieder hervor und es wird finalisiert. Aber ich mache mir in der kreativen Arbeit keinen Druck mehr. Wenn ich merke, dass ein Gericht es nicht schafft, perfekt für mich zu sein und auf den Teller zu gehen, dann warte ich einfach noch mal.
Katharina: Ja, vielleicht auf seine Muse.
Tim: Ja, und unter anderem kann es die Muse sein.
Wenn jemand Berlin zum ersten Mal besucht und nur einen Tag Zeit hätte, was muss unbedingt getan werden? Welche Orte und Restaurants dürfen nicht ausgelassen werden für die Berlin-Experience?
Tim: Wenn es darum geht, dass man nur einen Tag in Berlin hat, dann muss ich sagen, hat man falsch geplant. Es gibt einen Ort, an den muss man gehen. Das ist der Berliner Fernsehturm, weil du von oben eine Aussicht hast und Berlin erleben und in seiner ganzen Weite sehen kannst. Und ansonsten sollte es ein Tag sein, den man sich vollpackt mit Frühstück, Mittagessen, kulturellen Dingen wie Museumsbesuchen, mit einem Abendessen. Dann am besten noch das Nachtleben besuchen. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Findest du Orte, an die du gehen würdest, wenn du nur einen Tag in Berlin hättest?
Katharina: Du hast mir die Antwort weggenommen: der Fernsehturm. Ich lebe seit 10 Jahren in Berlin und war das erste Mal oben im Fernsehturm, wie er das Restaurant Sphere übernommen hat. Und ich muss sagen: ein Fehler. Viel öfter muss man da rauf. Das ist so schön, das kann man sich gar nicht vorstellen. Diese Weite, wenn Berlin sich unter dir ausbreitet und es auf einmal leiser ist. Man sieht Berlin einfach in all seiner Schönheit, wie viel Grün da ist. Also das ist mein Number one Must See.
Tim: Und eigentlich muss man dann abends noch mal hin bei Sonnenuntergang, da ist es traumhaft.
Hast du als Sternekoch ein absolutes Lieblingsezept? Und wenn ja, kochst du es dir ab und zu selbst oder isst du es lieber woanders?
Katharina: Darf ich auch diese Frage beantworten? Ja, er hat ein Lieblingsgericht. Nämlich Eier in diversen Zubereitungen für mich zum Brunch zu machen.
Tim: Okay, das ist nicht mein Lieblingsgericht, das ist ihr Lieblingsgericht. Nein, ganz ehrlich, ich koche zu Hause nicht. Das ist Arbeit und da habe ich auch gar nichts gegen, das mache ich sechs Tage in der Woche, aber am siebten Tag, da gehen wir essen. Gerade in Berlin ist es so fantastisch. Es gibt immer wieder etwas Neues. Da ist sie vor allem diejenige von uns, die ständig was Neues ausprobiert. Ich gehe gerne in die Buden, die ich kenne.
360° Berlin dreht sich um dein Berlin. Was sollen die Leserinnen und Leser aus dem Buch und zu deinem Berlin unbedingt mitnehmen?
Tim: Also ganz sicher ist erst mal: Es ist nicht mein Buch, es ist unser Buch, und Katharina hat im Endeffekt die ganze Arbeit gemacht, um ein Berlin zu zeigen, das unser Berlin ist. Es ist ein Berlin, wo wir Menschen mit integriert haben, die uns auch Tipps gegeben haben. Benni’s Buffet, Per Meurling, das sind großartige Instagrammer, die viel öfter als wir essen gehen, das richtig beruflich machen. Wir teilen nicht jede ihrer Einschätzungen, aber die, die wir gut finden, haben wir aufgenommen. Es ist eben ein Berlin der Menschen, die hier Außergewöhnliches, nicht nur in der Gastronomie, leisten. Wie zum Beispiel auch Andreas Murkudis, der seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass sich Berliner sehr, sehr geil anziehen können. Das KaDeWe, das mein Kindheitstraum des Shoppens war. Es gibt dann aber eben auch Läden und vor allen Dingen kulturelle Erlebnisse, die ganz wichtig sind.
Katharina: Mein Take, warum ich dieses Buch unbedingt machen wollte, ist, weil mein Mann Urberliner ist. Wie ich ihn kennengelernt habe, war es „Leben und Sterben in Berlin, das muss so sein“, und dann komme ich als Österreicherin und sage: Vielleicht gibt es da noch andere Möglichkeiten. Aber ich muss sagen, Berlin hat mir in den letzten 10 Jahren eine Heimat geboten, die die Türen aufgemacht hat und gesagt hat: Komm rein, wenn du dich traust und wenn du mutig genug bist, du selbst zu sein, dann kannst du es sein. Und das möchten wir mit dem Buch vermitteln. Du kannst all das sein, was du sein möchtest.
Tim: Berlin ist so schnell, so vielfältig und es passiert so viel, dass ihr in 360° sehen könnt, wie unser Berlin ist. Wenn ihr das erleben wollt, dann ist das das perfekte Buch, um Berlin kulinarisch, kulturell und mit all seinen Sinnen erleben zu können.
Und zum Abschluss: Wenn ihr drei Lieblingsorte aus drei unterschiedlichen Berliner Kiezen auswählen müsstet, welche wären es?
Katharina: Es ist unglaublich schwer, sich einfach nur auf drei Tipps zu fokussieren, aber wir machen es einfach nach dem Herzen. Das Grill Royal ist eine Bude, die gibt’s auch wirklich nur genauso, wie sie da steht. Da trifft sich von Jean Paul Gaultier, über Madonna bis hin zu Tim Raue und Katharina Raue alles, was gesehen und gesehen werden möchte. Wir lieben es ja, am Eingang zu sitzen auf diesen kleinen Wartebänken.
Tim: Sie liebt das. Ich sitze mit dabei.
Katharina: Und dann sitzen wir dort und schauen: Wer geht rein, wer kommt raus, mit welcher Begleitung? Also ich als Österreicherin bin ja begnadete Beobachterin, andere Leute sagen Stalker.
Tim: Es gibt eine fantastische Weinkarte. Ein wirklich großartiges Barteam. Und das Essen ist immer gut.
Katharina: Man wird nie enttäuscht, aber immer überrascht.
Tim: Der zweite Ort ist in Wedding und heißt Mimi Ferments. Ein fantastischer Betrieb, der vor langer Zeit in einem viel kleineren Umfeld angefangen hat. Mimi Ferments ist ein Ort, den muss man erlebt und geschmeckt haben. Es ist auf allerhöchster Produktqualität das Beste, was man sich aus dieser japanischen Welt vorstellen kann, was in Berlin hergestellt wird und unter anderem im Restaurant Tim Raue benutzt wird.
Katharina: Ja, und auch ab und zu in unserer Küche zu Hause. Deswegen kenne ich die Produkte auch und ich muss sagen: Lovin‘ it.
Tim: Sie meint damit, wenn sie sich Sushi bestellt, dann nimmt sie nicht die billige, räudige Sojasauce, die mitgeliefert wird, sondern hat ihre Shoyu von Mimi Ferments.
Katharina: Aber lasst uns doch weitergehen zu Tipp Nummer drei. Zu einem Ort, an dem wir uns beide sehr wohl fühlen. Vielleicht deswegen, weil wir Hedonisten sind, gerne auch die Wirtschaft ankurbeln, indem wir Geld ausgeben.
Tim: Der ist wo dieser Ort?
Katharina: Na ja, die Straße kann ich nie aussprechen.
Tim: In Charlottenburg, und zwar Tauentzienstraße.
Katharina: Das KaDeWe. Also wenn ich sage, ich gehe in die Stadt, dann gehe ich ins KaDeWe.
Tim: Und das bedeutet dann immer, die Kreditkarte glüht. Man findet auf sechs Etagen alles, was man haben will. Von Porzellan über Besteck und Messer, Unterwäsche, Bettwäsche und Einrichtungsgegenstände. In der sechsten natürlich Essen und Trinken. Immer den latest Shit, den es gerade so an Cookies und Pralinen gibt. Fantastisches Gebäck, Restaurants und unten kann man dann auch in den Luxury-Label-Shops den letzten Pfennig raushauen.
Katharina: Ja, das bedeutet, am Freitag, wenn es länger auf hat, erst oben ein bisschen Champagner trinken und dann beschwingt die Kreditkarte schwingen.
Tim: Bin ich leider nicht immer dabei.
Katharina: Das mache ich mit meinen Freundinnen!
Fotocredit: Bild Hasenau

