1. Warum hast du dir für dein neues Buch gerade die Kartoffel ausgesucht? Und was macht sie deiner Meinung nach so vielfältig?

Die Kartoffel hat das Potential, dass man aus einem einzelnen Gemüse sehr variantenreiche Gerichte zubereiten kann – gartechnisch, aromenbezogen und in der Konsistenz auf dem Teller. Das hat sie (fast) allen anderen Gemüsesorten voraus. Sie ist zudem international überall auf dem Speiseplan. Und gerade wir Europäer lieben ja die kulinarischen Einflüsse aus fremden Welten. Wenn also kein Buch über die Kartoffel, über was dann?

2. Nach dem du dich so intensiv mit den unterschiedlichsten Rezepten und Möglichkeiten der Verarbeitung auseinandergesetzt hast – Was ist dein liebstes Kartoffelgericht?

Leider ist so ein Buch in der Seitenzahl begrenzt – mir wären noch mindestens 30 weitere Zubereitungsarten eingefallen. Privat liebe ich vor allem Pommes, Knödel und Bratkartoffeln (bin also ein typischer Deutscher 😊), im Buch würde ich sofort jedes Gericht genießen wollen, die Nase vorn haben für mich die „Pont-Neuf-Kartoffeln“, weil sie mich am meisten inspiriert haben. Und mit diesem Rezept kann sogar der Hobbykoch seine Gäste begeistern.

3. Gab es etwas das dich bei der Recherche besonders überrascht hat oder das du noch nicht wusstest?

Dass es in Deutschland 350 zugelassene Speisesorten gibt – damit hatte ich nicht gerechnet; zumal im Handel nur wenige Sorten angeboten werden. Und ich fand es auch interessant zu erfahren, dass nur ein minimaler Bruchteil der angebauten Menge überhaupt verzehrt wird.

4. Was sind fünf Dinge, die jeder über die Kartoffel wissen sollte?

– Unterschiedlicher Stärkegehalt (festkochend, vorwiegend festkochend, mehlig-kochend) – wichtig für die Zubereitung
– Kühl lagern, aber niemals kalt und feucht
– Wenn möglich, mit Schale garen – so behält sie ihre wertvollen Inhaltsstoffe
– Kartoffeln sind keine Dickmacher – sie sind kalorienarm, wasserreich und sättigen gut, sofern sie nicht fettreich zubereitet werden
– Die unterschiedlichen Farben sind nicht nur fürs Auge, sondern bieten auch aromatische Farbtupfer

5. Hast du eine Lieblingskartoffelkombination, die viele überraschen würde?

Ich wäre nie selbst auf die Idee gekommen, eine „Süße Kartoffeltorte“ als Möglichkeit einer Zubereitung in Betracht zu ziehen, die zudem noch mit Marzipankartoffeln garniert wird. Als ich von diesem Rezept hörte, musste ich viel recherchieren, um den Koch, der schon lange im Ruhestand ist, aufzuspüren. Denn ich brauchte ja sein Einverständnis, um es verwenden zu dürfen. Privat ist es aber seit einem Vancouver-Besuch die Poutine, die in einer Abwandlung auch im Buch ist. In Kurzform: Poutine sind Pommes mit Käsebruch und Bratensoße. Suchtfaktor!

6. Wem würdest du das Buch empfehlen und gibt es Tipps, die du Kochanfängern mit an die Hand geben würdest? Was hättest du selbst am Anfang gerne gewusst?

Jeder, der Kartoffel liebt, muss das Buch einfach besitzen. Denn die Rezepte, aber auch die Grundrezepte sind so vielfältig, dass man dieses Gemüse regelmäßig aufs Neue entdecken kann – und die Informationen zu dieser Knolle sind so umfassend, dass man alles erfährt, was zu ihr gesagt werden muss. Die Kartoffel verzeiht fast alles bei der Zubereitung: wer also beim Kochen noch nicht so geübt ist, kann bei diesem Gemüse ohne Bedenken drauf loslegen – es kann nicht viel falsch gemacht werden. Hätte ich vor Jahrzehnten als Kochanfänger gewusst, wie variabel und vielfältig man die Kartoffel einsetzen und zubereiten kann, ich hätte sie viel regelmäßiger auf den Speiseplan gesetzt. Man muss sich im Buch alleine mal das Kapitel „Püree oder Stampf“ ansehen, um davon einen Eindruck zu bekommen.

Fotocredit: Martin H. Lorenz