Was Kommunen sich nicht mehr leisten können: Marc Elxnat im Gespräch vor dem Best of Architecture Summit 2026
Schulen, Kliniken, Gemeindezentren – Räume der Daseinsvorsorge, die in Deutschland regelmäßig am Geld scheitern. Marc Elxnat, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, kennt diese Zwangslage aus erster Hand. Der Volljurist kam 2016 zum Verband, nach Stationen im Bundesministerium des Innern, und leitet heute das Dezernat für Recht, Gesundheit, Bildung, Soziales, Sport und Kultur. Er vertritt die Interessen der deutschen Städte und Gemeinden gegenüber Bund und Ländern und damit auch die Frage, wer am Ende zahlt, wenn eine Schule oder ein Gemeindezentrum gebaut werden soll. Vor seinem Panel „Schule, Gesundheit, Gemeinschaft: Architektur als öffentlicher Auftrag“ hat er vorab drei Fragen im Interview beantwortet.
Die Kommunen hatten 2024 mit rund 24 Milliarden Euro das höchste Finanzierungsdefizit ihrer Geschichte. Was bedeutet das ganz konkret für eine Gemeinde, die eigentlich eine neue Schule oder ein Gemeindezentrum bräuchte?
M. Elxnat: „Leider war das Defizit kein einmaliger Effekt, sondern es zeigt sich eine strukturelle Schwäche bei den Kommunalfinanzen. Besonders augenfällig ist, dass das Defizit nicht aufgrund von Investitionen zustande kommt, sondern sich vor allem wegen steigender Sozial- und Personalausgaben ergibt. Dies bedeutet, dass notwendige Investitionen im Zweifel geschoben werden müssen. Dadurch steigt der kommunale Investitionsrückstand langfristig weiter.“
Das Panel fragt, warum Schulen und Kliniken in Deutschland als Kostenfaktor behandelt werden, nicht als Investition. Woher kommt diese Denkweise in der kommunalen Haushaltsführung, und lässt sie sich überhaupt ändern, solange die Kassen leer sind?
M. Elxnat: „Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur sind wesentlich für die Daseinsvorsorge. Gleichzeitig ist es jedoch auch notwendig, dass die Finanzkraft vorhanden ist, um in Bildung und Gesundheit zu investieren. Im Bereich der Krankenhäuser haben die Kommunen in den vergangenen Jahren mehr als 25 Mrd. Euro aufgewendet, um Defizite auszugleichen. Das fehlt am Ende auch bei möglichen Investitionen.“
Sie vertreten die Interessen von zehntausend Städten und Gemeinden gegenüber Bund und Ländern. Wo liegt die eigentliche Verantwortung dafür, dass gute öffentliche Räume entstehen – bei den Kommunen selbst, oder bei der Finanzierungsstruktur, die ihnen der Bund vorgibt?
M. Elxnat: „Die Verantwortung dafür liegt natürlich in der ersten Linie bei den Kommunen. Gute öffentliche Räume entstehen nicht am Reißbrett in den Hauptstädten, sondern werden vor Ort gestaltet. Dafür braucht es aber die notwendigen Spielräume, sowohl in finanzieller als auch in personeller Sicht. Wenn Geld und Personal für Aufgaben gebunden sind, die eigentlich nicht zwingend von den Kommunen erledigt werden müssten, bindet das Ressourcen.“
Wer beim Best of Architecture Summit am 22. Oktober in München tiefer einsteigen möchte, trifft Marc Elxnat gemeinsam mit Florence Brokowski-Shekete und Prof. Christine Nickl-Weller im Panel „Schule, Gesundheit, Gemeinschaft: Architektur als öffentlicher Auftrag“.
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