Architektur in der Zeitenwende: Hans Hammer im Interview

Best of Architecture Summit Speaker Hans Hammer über Doppelrollen, den Büromarkt und die Grenzen der Wirtschaftlichkeit

Geopolitische Verwerfungen, explodierte Baukosten, ein Wohnungsmarkt, der soziale Spaltung zementiert: Architektur entsteht 2026 nicht im Vakuum, sondern unter dem Druck einer Welt, die sich gerade neu ordnet. Beim Summit am 22. Oktober 2026 in München diskutiert unter anderem Hans Hammer, was diese Gemengelage für die Projektentwicklung bedeutet.

Hans Hammer hat Bauingenieurwesen an der Technischen Universität München studiert und seinen Master of Business Administration an der INSEAD in Fontainebleau erworben. 1998 übernahm er die Leitung des Immobiliengeschäfts der Hammer Firmenfamilie, seit 2001 ist er Vorstandsvorsitzender der Hammer AG. Neben der Immobilienentwicklung engagiert er sich mit seiner Firma WIP Renewable Energies im Bereich erneuerbarer Energien. Er ist Vizepräsident des Wirtschaftsbeirats der Union und war von 2020 bis 2026 ehrenamtlicher Stadtrat der Landeshauptstadt München. Sein Panel „Architektur in der Zeitenwende: Bauen, wenn die Welt aus den Fugen gerät“ fragt, wer Verantwortung dafür trägt, dass Räume entstehen, in die wirklich alle passen, und was sich an Strukturen und Haltungen ändern muss, damit Architektur dieser Aufgabe gerecht wird. Hans Hammer nimmt dabei die Perspektive aus Ökonomie und Entwicklung ein. Vorab hat er einige Fragen zum Panel-Thema beantwortet.

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Sie sind Projektentwickler und waren gleichzeitig von 2020 bis 2026 Münchner Stadtrat. Wo widersprechen sich diese beiden Perspektiven auf die Stadt am deutlichsten und wo verstärken sie sich?

Hans Hammer: „Diese Doppelrolle hat auf der einen Seite eine strikte Trennung der eigenen Interessen von den Interessen der Stadt gefordert, zum Glück war das aber selten notwendig und mit klarer Transparenz auch kein Problem. Gleichzeitig glaube ich, dass ich als Unternehmer und speziell Immobilien- und Planungsfachmann meinen inhaltlichen Beitrag für die Entwicklung der Stadt leisten konnte. Nicht nur weil ich weiß, was notwendig ist, damit aus einer Idee tatsächlich ein Gebäude wird, sondern auch weil ich die unternehmerische Perspektive einbringen konnte. Am Ende geht es immer um dieselbe Frage: Wie schaffen wir einen Standort, der langfristig funktioniert und wie kann die Stadt besser für die Menschen da sein? In dem Zusammenhang sehe ich auch die Pflicht eines Unternehmers, sich für die Gesellschaft einzubringen, eben z. B. durch das Ausfüllen eines Ehrenamtes wie dem eines Stadtrates.“

Der Büromarkt kollabiert vielerorts, während Wohnraum fehlt. Die Hammer AG kommt aus dem Gewerbeimmobiliensegment. Wie verändert sich Ihr eigenes Portfolio-Denken, wenn Büroflächen an Wert verlieren und Wohnen zur dringlicheren Aufgabe wird?

Hans Hammer: „Ich glaube nicht, dass der Büromarkt kollabiert. Die Schwäche, die wir derzeit sehen, ist sehr stark vom Standort, aber auch von der Gebäudestruktur abhängig. Wir brauchen bessere Büroflächen in den richtigen Lagen und vor allem Quartiere, die vielfältiger funktionieren. Die klassische Monostruktur verliert an Bedeutung. Deshalb denken wir Projekte heute stärker als Mischung aus verschiedensten Nutzungsarten, speziell in Quartieren aus Arbeiten, Produktion, Logistik, Wohnen, Dienstleistungen und Aufenthaltsqualität. Gute gewerbliche Immobilien werden künftig vor allem an ihrer Flexibilität und Vielseitigkeit gemessen.“

Das Panel fragt, wer sich gute Räume noch leisten kann. Als privater Entwickler müssen Sie Projekte wirtschaftlich tragen. Ist bezahlbarer Wohnraum für Sie ein Geschäftsmodell oder eine Aufgabe, die sich wirtschaftlich kaum noch abbilden lässt?

Hans Hammer: „Bezahlbarer Wohnraum ist eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Gleichzeitig müssen wir ehrlich sein: Dauerhaft kann Wohnungsbau im notwendigen Umfang nur funktionieren, wenn er wirtschaftlich für den Bauherrn bzw. Vermieter ist. Daher müssen wir die Rahmenbedingungen ändern, die wir heute haben. Bauen muss durch Lockerung der Vorschriften günstiger werden. Baugenehmigungen müssen schneller kommen und damit Geld gespart werden, wir Entwickler müssen effizientere Grundrisse anbieten und damit die Gesamtmiete senken, wir brauchen neue Finanzierungsmodelle – und steuerliche Anreize wären vorübergehend ein zusätzlicher Anreiz. Wenn wir an all diesen Schrauben drehen, wäre bezahlbarer Wohnraum in der Tat wirtschaftlich abbildbar.“

Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Hammer für das Interview und freuen uns schon sehr auf das Panel am 22. Oktober in München.

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