Architektur in der Zeitenwende: Elisabeth Merk im Interview

Best of Architecture Summit Speakerin Elisabeth Merk über Verantwortung, Münchner Wohnungsnot und die Grenzen der Verwaltung

Geopolitische Verwerfungen, explodierte Baukosten, ein Wohnungsmarkt, der soziale Spaltung zementiert: Architektur entsteht 2026 nicht im Vakuum, sondern unter dem Druck einer Welt, die sich gerade neu ordnet. Beim Best of Architecture Summit am 22. Oktober 2026 in München diskutiert unter anderem Elisabeth Merk, wie Architektur unter diesen Bedingungen ihrer gesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden kann.

Prof. Dr. Elisabeth Merk ist Architektin und Stadtplanerin. Seit 2007 leitet sie als Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München das Referat für Stadtplanung und Bauordnung – eine Position an der Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft. Ihr Panel „Architektur in der Zeitenwende: Bauen, wenn die Welt aus den Fugen gerät“ fragt, wer Verantwortung dafür trägt, dass Räume entstehen, in die wirklich alle passen, und was sich an Strukturen und Haltungen ändern muss, damit Architektur diese Aufgabe wieder erfüllt. Elisabeth Merk nimmt dabei die Perspektive der öffentlichen Hand ein. Vorab hat sie einige Fragen zum Panel-Thema beantwortet.

Prof_Dr_Elisabeth_Merk_©Michael_Nagy:LHM

 

Das Panel fragt, wer dafür Verantwortung trägt, dass Räume entstehen, in die wirklich alle passen. Sie stehen an der Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft. Wo genau liegt diese Verantwortung heute – bei der Kommune, beim Bund, bei den Planenden selbst?

Elisabeth Merk: „Verantwortung liegt bei allen Akteuren. Gemeinsame Prioritäten und shared responsibility sind für gute Räume entscheidend. Nicht alles muss gleich sein, und „Alles für alle“ ist unrealistisch.“

München hat einen der angespanntesten Wohnungsmärkte Deutschlands, gleichzeitig kollabieren vielerorts die kommunalen Kassen. Wie verändert sich Ihre tägliche Arbeit im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, wenn das Geld für Schulen und Gemeindezentren fehlt, aber der Bedarf weiterwächst?

Elisabeth Merk: „Durch mehr Kooperation unter den Trägern, kollaborative Prozesse sowie gemeinsame soziale Nutzungskonzepte und räumliche Überlagerungen kann auch bei knappen Kassen auf den steigenden Bedarf reagiert werden.“

Sie sagen, es brauche eine grundlegende Änderung an Strukturen, Haltungen und Systemen. Was müsste sich in der Verwaltung selbst ändern – in Genehmigungsprozessen, in der Zusammenarbeit mit privaten Bauherren –, damit bezahlbarer Wohnraum schneller entsteht?

Elisabeth Merk: „Es braucht weniger Detailverliebtheit und mehr „Klarheit vor Genauigkeit“, eine Abkehr von Absicherungsmentalität, orts- und projektspezifische Lösungen sowie mehr Kooperation, um bezahlbaren Wohnraum schneller zu schaffen.“

Wir bedanken uns herzlich bei Frau Prof. Dr. Merk für das Interview und freuen uns schon sehr auf das Panel am 22. Oktober in München.

BoA26_Banner

Jetzt Tickets sichern: Best of Architecture 2026