Callwey: „Ich kochte und kochte, Kathrin fotografierte und fotografierte und meine Kinder aßen und aßen!“, beschreibt Cathleen Clarity, Autorin Ihres (ersten!) Kochbuchs „Fabelhaft Französisch“ Ihre gemeinsame Zeit in Paris. Wie haben Sie beiden sich denn kennengelernt?

Kathrin Koschitzki: Cathleen machte ihre Kochausbildung an der gleichen Schule in Paris (Ferrandi, school of culinary Arts), allerdings ein paar Jahre bevor ich dort meine Ausbildung zur Patissière absolvierte. Als ich bereits zurück in Deutschland war und als Food-Fotografin arbeitete, rief sie mich eines Tages an, stellte sich vor und erzählte mir, sie arbeite gerade an einem Kochbuch, für das nur eine einzige Fotografin in Frage käme. Natürlich hatte ich sofort große Lust nach Paris zu fahren, um Cathleen und ihre wunderbare Küche persönlich kennenzulernen.

Callwey: Was genau hat Sie beide dazu bewogen, schließlich ein Buch über die französische Küche zu kreieren?

Kathrin Koschitzki: Ich hatte ja das große Glück, einige Zeit in Paris zu wohnen, und habe in dieser Zeit die französische Küche erst richtig kennen gelernt. Besonders daran finde ich nicht nur, dass sie so köstlich ist, sondern auch alles drumherum: wie in Frankreich Essen zelebriert wird. Ein Abendessen kann gerne auch mal ein paar Stunden dauern. Und wenn wir denken, „wenn nichts mehr geht, geht trotzdem noch ein Dessert“, denken die Franzosen „wo bleibt die Käseplatte nach dem Dessert?“.

Speziell Cathleens kulinarische Handschrift mag ich deshalb so, weil sie es schafft, gelerntes Handwerk mit einer gewissen Leichtigkeit zu verbinden. Ihre Gerichte haben alle Raffinesse, die dem Gast das „Wow“ entlocken, sind trotzdem nicht zu komplizert. Obwohl ihre Küche eher eine frische, leichte ist, darf oder muss auch mal ein Stück Butter in die Soße, das mag ich sehr.

Callwey: Möchten Sie uns ein wenig mehr über Ihre Zeit an der „L’Ecole Ferrandi“ erzählen? Was hat Sie besonders begeistert?

Kathrin Koschitzki: Ich habe dort in einer kleinen, internationalen Klasse das Handwerk der französischen Pâtisserie gelernt: wie man Köstlichkeiten wie Tartes, Croissants, Eclairs, Macarons, Baguette und Vieles mehr herstellt. Ich erinnere mich zum Beispiel noch genau, als ich nach dem ersten Tag in meine kleine Pariser Wohnung kam und meine Klamotten nach Mehl und Schokolade rochen. Es war eine unbeschreiblich schöne Zeit.

Callwey: Auf Ihrem Food-Blog „Photisserie“ können wir Ihre kulinarischen Entdeckungen aus der Welt der Pâtisserie bewundern. Mit 50–60.000 Besuchern pro Monat ist der Blog ja wahnsinnig beliebt. Wie kamen Sie auf die Idee, einen Blog zu schreiben? Was ist Ihr Anliegen?

Kathrin Koschitzki: Mein Blog „Photisserie“ verbindet meine zwei Berufe miteinander: Fotografie und Pâttiserie. Anfangs ging es eher darum meinen „Zuhausegebliebenen“ und Freunden zu zeigen, was ich alles in Paris entdeckte, sei es mein „Tarte au Citron Rezept“, an dem ich lange gefeilt habe, oder die für mich beste Bäckerei in Paris.

Mittlerweile ist der Blog für mich ein richtiges Geschenk geworden: Er fordert mich als Fotografin und Patissière ständig, Neues und Schönes zu schaffen, und ermöglicht mir Kontakte zu Menschen aus fernen Ländern. Und er erleichtert mir als Fotografin die lästige Arbeit der Akquise. 

Callwey: Wie würden Sie sich als Food-Designerin beschreiben? Was macht Ihre Arbeit so besonders? Oder anders gefragt: Wie schaffen Sie es, diese atemberaubend schönen Bilder zu kreieren?

Kathrin Koschitzki: Das Spannende und Schöne am Fotografieren war für mich immer, mithilfe von Bildern kleine „Geschichten“ zu erzählen. Im Bereich Essen finde ich das besonders spannend.

Auch in unserem Buch erzählt jedes Kapitel eine kleine persönliche, echte Geschichte. So haben wir uns zu Cathleens „Star Restaurant Menü“ genauso schick angezogen wie die eingeladenen Gäste, und bei der Geburtstagsparty für Cathleens Tochter sind während des Fotografierens ein paar Kinder durch die Küche geflitzt.

Callwey: Alles sehr authentisch. Sie verwenden also keinerlei Hilfsmittel wie Haarspray, damit der karamellisierte Hähnchenflügel im Kapitel „Hähnchen auf französische Art“ richtig schön glänzt?

Kathrin Koschitzki: Nein, im Idealfall schaut ein Gericht in Natur so lecker aus, dass man nicht mit Haarspray oder Ähnlichem schummeln muss. Genau dann werden auch die Bilder am schönsten … und das Team kann nach dem Shooting bedenkenlos verkosten.

Callwey: Wenn Sie also alles, was Sie fotografieren, am Ende auch essen: Haben Sie ein persönliches Lieblingsrezept im Buch, das Sie uns verraten möchten?

Kathrin Koschitzki: Da ich mich selbst im süßen Bereich der Küche am besten auskenne: Cathleens Choux können sich wirklich sehen und schmecken lassen, das Rezept habe ich direkt übernommen. Und auch an ihren „moelleux chocolats“ mit Karamellfüllung bin ich so oft in der Küche vorbeigelaufen, bis keines mehr übrig war.

Diese und viele weitere köstliche Rezepte können Sie ab dem 16.03. in dem wunderbaren Buch „Fabelhaft Französisch“ von Cathleen Clarity und Kathrin Koschitzki nachlesen. Viel Vergnügen und „Bon appétit“!

Fotocredit: Charlotte Schreiber in „Aus Liebe zum Kochen