1. Für wen ist das Buch „Off Track“ besonders gut geeignet?
Es gibt im Grunde niemanden, für den das Buch nicht geeignet ist. „Off Track“ soll eine Einladung sein. Es soll neugierig machen auf das Laufen in der Natur und tief in uns liegende Sehnsüchte wecken. Die Sehnsucht nach Freiheit, nach neuen Orten und der Möglichkeit, die eigenen Grenzen zu verschieben. Trailrunning erfährt einen starken Zuwachs und viele Menschen entdecken das Laufen abseits befestigter Wege für sich. In meiner Vorstellung unterstützt das Buch diese Entdeckungsreise aus verschiedenen Perspektiven und ist außerdem einfach schön zum Anschauen.
2. Für das Buch hast du nicht nur Rennen und Routen zusammengetragen, sondern auch Menschen und Geschichten aus der internationalen Trailrunning-Community porträtiert. Gibt es eine Begegnung oder ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Für mich war der Schreibprozess als Ganzes sehr spannend. Die Gespräche mit den Protagonistinnen und Protagonisten des Buches waren natürlich sehr einprägsam und ich hatte viele Aha-Momente. Vor allem habe ich über die Monate einen noch viel tieferen Einblick in den Sport bekommen, den ich liebe und lebe. Dafür bin ich sehr dankbar.
3. Du hast bei internationalen Rennen große Erfolge gefeiert. Welche Momente auf dem Trail haben Dich besonders geprägt – nicht nur sportlich, sondern auch menschlich?
Natürlich stärkt es das Selbstbewusstsein, Wettkämpfe zu gewinnen und als Athletin zu wachsen und kompetitiver zu werden. Erfolge bestärken mich darin, weiterzumachen und in den Prozess zu vertrauen. Dennoch sind es mindestens genauso die Misserfolge, die mich geprägt haben. Vielleicht sogar ein kleines bisschen mehr. Ich erinnere mich an jeden Wettkampf, der nicht lief wie geplant und ich erinnere mich an jeden Schmerz, physisch wie psychisch, den ich in diesen Momenten erlebte und spürte. Diese Erfahrungen lassen mich im nächsten Tief weiterlaufen, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, stehen zu bleiben. Woran ich aber vor allem denke, sind die zwischenmenschlichen Erinnerungen über all die Jahre, die ich durch das Trailrunning erleben durfte. Angefangen bei meinem Team, über unsere Podcast-Community, bis hin zu diesem Buch und den Leserinnen und Lesern.
4. Dein Leben dreht sich stark um Bewegung in der Natur. Was hat Dir der Sport über Dich selbst beigebracht?
Das Trailrunning hat mich darin gelehrt, ab und zu Kontrolle abzugeben, um Leichtigkeit zu spüren. Leistungssport braucht Disziplin, Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Verzicht. All diese Dinge sind wichtig für eine Leistungssteigerung, aber ich wurde mit der Zeit verbissen und verlor zunehmend die Freude am Laufen. Inzwischen versuche ich ab und zu, aus diesen verbissenen Momenten auszubrechen, um Dankbarkeit für meinen Job, meinen Körper und die tägliche Möglichkeit zuzulassen, im schönsten Grün laufen zu dürfen. Die Einfachheit des Laufens ist betörend, wenn man sie zulässt.
5. „Off Track“ ist Inspiration und ein praktischer Guide für alle, die selbst loslaufen möchten. Was würdest du Einsteigerinnen und Einsteigern raten, die zum ersten Mal „off track“ laufen wollen?
Ich würde dazu raten, Geduld zu haben und nicht zu schnell zu viel zu wollen. Trailrunning ist ein toller Sport, aber er braucht Zeit und das ist in Ordnung. Man muss nicht von heute auf morgen über sich selbst hinauswachsen und direkt mit den technisch anspruchsvollsten Routen beginnen. Jeder Mensch ist einzigartig und genauso individuell ist die Entwicklung beim und mit dem Trailrunning. Off Track zu laufen ist wunderschön, wenn man sich selbst erlaubt, den eigenen Rhythmus zu finden.
Fotocredit: Toni Tillmann

