English version (original) below

1. Dein Buch heißt auf Deutsch „Girl Dinner“, was ursprünglich ein Trend in den sozialen Medien ist. Was fasziniert dich so sehr an Snacks als Mahlzeiten, dass du ein ganzes Kochbuch darüber geschrieben hast?

Für mich stand das Konzept „Girl Dinner“ ganz im Zeichen von Leichtigkeit und Gemütlichkeit, und ich glaube, davon könnten wir alle gerade jetzt eine ganze Menge gebrauchen. Die Abendessenszeit kann sehr stressig sein; sie findet am Ende des Tages statt, wenn alle müde und manchmal etwas gereizt sind und oft keine Lust mehr haben, Entscheidungen zu treffen. Ich finde die Idee toll, dass wir, wenn wir unsere Erwartungen an das, was dieses Essen „sein muss“, lockern, einfach das essen können, was uns schmeckt, und versuchen, unseren Abend zu genießen. Das Konzept dieses Buches geht noch einen Schritt weiter: Ich denke, wenn man einen Abend für sich hat, kann man das als Gelegenheit nutzen, um etwas zuzubereiten, das sowohl einfach als auch lecker ist (anstatt nur die Reste aus der Küche zu essen).

2. Glaubst Du, dass Girl Dinner ein vorübergehender Trend ist – oder Ausdruck eines langfristigen Wandels in unserer Esskultur?

Ein bisschen von beidem. Es ist derzeit definitiv ein Trend, und dieser Teil wird wieder vorbeigehen, aber ich denke, es spiegelt auch die allmähliche Lockerung der Regeln rund um die Essenszeit wider, die wir in den letzten Jahrzehnten beobachtet haben – im Grunde genommen seitdem Fertiggerichte auf den Markt kamen und mehr Frauen in den Arbeitsmarkt eintraten. Ich glaube, dass dieser größere Trend, entspannter damit umzugehen, wie das Abendessen aussehen muss, bestehen bleiben und sich weiterentwickeln wird.

3. Gibt es ein Gericht im Buch, das den Geist von „Girl Dinner“ für Dich besonders gut einfängt?

Das allererste Rezept, das ich für dieses Buch entwickelt habe (lange bevor ich überhaupt daran dachte, ein Buch zu schreiben), war Burrata mit Obst, Pesto und Crostini. Das war ein Gericht, das ich für mich selbst zubereitet habe, als meine Familie abends unterwegs war und ich nur mich selbst glücklich machen musste. Meine Tochter mochte Burrata damals noch nicht (mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt), also habe ich mir dieses Gericht mit Obst, das ich sehr gerne mag, und etwas übrig gebliebenem Pesto (das wir oft im Kühlschrank haben) zubereitet. Das ist für mich „Girl Dinner“ – eine Gelegenheit, Dinge zu essen, die ich wirklich liebe, ohne mich um die Vorlieben und Abneigungen anderer zu kümmern.

4. Girl Dinner wirkt oft sehr persönlich und situativ. Wie viel von Deinem eigenen Essalltag steckt in diesem Buch?


Für mich ist diese Art des Snack-Abendessens Teil einer allgemeineren Sichtweise auf Mahlzeiten unter der Woche. An manchen Tagen habe ich die Zeit und Energie, um ein aufwendiges Essen zu kochen (zum Beispiel Brathähnchen oder Polenta oder ein mehrgängiges chinesisches Menü), aber es gibt immer mindestens einen Tag in der Woche, an dem ich spät nach Hause komme, mein Kind zusätzliche Hilfe bei den Hausaufgaben braucht oder ich einfach zu müde bin, um mich wirklich anzustrengen. An solchen Abenden finde ich Snack-Abendessen am nützlichsten. Wenn ich davon ausgehe, dass ich einen wirklich stressigen Abend haben werde, kann ich die Zutaten für eines dieser Rezepte besorgen und für diesen Abend bereit haben.

5. Optik spielt beim Girl Dinner eine große Rolle. Wie wichtig ist Ästhetik beim Essen, und wo hört sie für Dich auf?


Ich hatte großes Glück mit meinem Team für dieses Buch. Meine Fotografin, Leela Cyd, ist eine fantastische Requisitenstylistin mit einem wirklich wunderbaren Stilgefühl, und ihre bevorzugte Food-Stylistin, Liza Saragosa, lässt alles wirklich wunderschön aussehen. Zu Hause sieht mein Essen nicht ganz so hübsch aus, aber ich mag es, meine Mahlzeiten schön anzurichten, weil das Essen dadurch zu etwas Besonderem wird. Ich dekoriere auch sehr gerne den Tisch mit Blumen, Kerzen und schönen Servietten. Das ist wirklich ganz einfach und sorgt dafür, dass das Essen eher zu einem Moment wird, in dem man sich hinsetzt, genießt und sich eine Auszeit von den Pflichten und Erwartungen nimmt.

6. Für wen ist Girl Dinner, Deiner Meinung nach, besonders gut geeignet?

Auf Englisch haben wir dieses Buch „Snacking Dinners“ genannt, weil ich es nicht nur auf Frauen beschränken wollte. Ich denke, diese Art von einfachen, unterhaltsamen Mahlzeiten ist universell. Die Einleitung des Buches richtet sich natürlich an Frauen meiner Generation und jünger, die sich um andere Menschen kümmern und vielleicht etwas Ermutigung brauchen, sich selbst etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, aber dieses Buch ist für alle gedacht. Meine Eltern und ihre Freunde kochen alle damit, weil ihre Kinder schon erwachsen sind und sie keine riesigen Mahlzeiten für viele Personen mehr zubereiten möchten. Auch meine jungen Verwandten, die studieren oder gerade zum ersten Mal alleine leben, nutzen es, weil es eine einfache Möglichkeit ist, sich daran zu gewöhnen, für sich selbst zu kochen.

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1. Your book is called “Girl Dinner” in German, which was originally a social media trend. What fascinates you so much about snacks as meals that you’ve written an entire cookbook about them?

To me, the concept of “girl dinner” was all about ease and comfort, and I think we could all use a lot more of that right now. Dinner time can feel very stressful; it comes at the end of the day when everyone is tired and sometimes a bit cranky, and often people are tired of making decisions. I love the idea that if we relax our expectations around what this meal “has to be,” we can actually just eat flavors we like and try to enjoy our evening. The concept of this book just takes the idea one step further: I think if you have a night to yourself, you can use it as an opportunity to make something that is both easy and delicious (instead of just eating the odds and ends in your kitchen).

2. Do you think Girl Dinner is a passing trend, or an expression of a long-term change in our food culture?

A little of both. It’s definitely a trend at the moment, and that part will pass, but I think it also reflects the gradual relaxing of rules around dinner time that we’ve seen over the past few decades—basically ever since convenience foods came to market and more women entered the work force. I think that larger arc, of being more relaxed about what dinner has to look like, is here to stay and will continue to evolve.

3. Is there a dish in the book that particularly captures the spirit of “Girl Dinner”

The very first recipe that I developed for this book (long before I actually thought of it as a book) was the Burrata with Fruit, Pesto and Crostini. It was a meal I made for myself when my family was out for the evening and I only had to please myself. My kid didn’t like burrata at the time (she has since grown to like it), so I made that meal for myself with fruit I really love and some leftover pesto (which we often have in the refrigerator). That’s what “girl dinner” is to me—an opportunity to eat things I really love without worrying about others’ likes and dislikes.

4. Who do you think the book „Girl Dinner“ is perfect for?

In English, we called this book Snacking Dinners, because I didn’t want to narrow it to just “girls.” I think this style of easy, fun meal is universal. The introduction to the book is obviously aimed at women of my generation and younger, who take care of other people and may need encouragement to give themselves a little extra attention, but this book is for everyone. My parents and their friends are all cooking from it, because their kids are grown and they don’t want to make enormous, multi-person meals anymore, and my young relatives who are in university or just living on their own for the first time also use it, because it’s an easy way to start getting into the habit of cooking for themselves.


5. Girl Dinner often seems very personal and situational. How much of your own everyday eating habits are reflected in this book?

For me, this style of snacking dinner is part of a larger way of looking at weeknight meals. Some days I have the time and energy to cook an elaborate meal (roast chicken or polenta or a multi-course Chinese meal, for instance), but there’s always at least one day a week when I get home late, or my kid needs extra help with homework, or I’m just too tired to really put in a lot of effort. Those are the nights when I find that snacking dinners are the most useful. If I assume that I’ll have one really busy night like that, I can have ingredients for one of these recipe on hand, waiting for that evening.

6. Appearance plays a big role in your snacking recipes. How important is aesthetics when it comes to food, and where do you draw the line?

I was very lucky with my team for this book. My photographer, Leela Cyd, is a fantastic prop stylist with a really wonderful sense of style, and her preferred food stylist, Liza Saragosa, makes everything look really beautiful. My food is never quite this pretty at home, but I do like to make my meals look nice, because it makes mealtime feel more special. I also really like to set a nice table, with some flowers and candles and good napkins. It’s really easy to do, and it makes the meal feel more like a moment to sit and enjoy and take a minute away from chores and expectations.

 

Fotocredit: Josh Wand