Was hat Sie bei Ihrer Recherchereise durch Bayern am meisten beeindruckt?

Welch eine ungeahnte Vielfalt ich kennenlernen durfte. Von traditionellen Bräuchen, wie den Alphornbläserinnen, wie ich sie aus meiner Kindheit aus einem oberbayerischen Dorf kenne bis zum recht exotischen Allgäuer Erfinder eines Yoga-Kopfstand-Hockers, der Yogatreibende in der ganzen Welt begeistert. Die Bandbreite war enorm. Und alle Persönlichkeiten, die ich kennenlernen durfte, sind, wie sich herausstellte, zudem liebenswerte bayerische Originale.

Wohin geht ihr nächster Urlaub?

Mein nächster Urlaub ist schon geplant. Wellness in Bad Alexandersbad. Hier will ich mich mal richtig selbst verwöhnen. Mit Massagen, Sprudelliegen im warmen Thermalwasser und gemächlichen Waldspaziergängen. Bad Alexandersbad ist der kleinste Kurort Bayerns und liegt sehr idyllisch, umgeben von herrlichem altem Mischwald. Als ich die kleine Ortschaft kennenlernte, zog mich die Landschaft des Fichtelgebirges sofort in den Bann und ich sagte mir: Hier will ich unbedingt mal länger verweilen.

Welches Brauchtum in Bayern schätzen Sie persönlich?

Ich bin ein großer Fan des Oberpfälzer Brauches vom Zoigl (Bier) Brauen. Den Ausschank macht ein (meist nebenberuflicher) Zoiglwirt nur alle 6 Wochen. Denn das Bier, das er braut, braucht so lange um zu reifen. Hier wird echte Gastfreundschaft zelebriert. Wenn ich Freunden aus aller Welt zeigen will, wie schnell man in meiner Heimat miteinander ins Gespräch kommt, bringe ich sie zum Zoigl-Wochenende bei Familie Fütterer nach Windischeschenbach. Die sind von der herzlichen Atmosphäre dort mehr beeindruckt als vom ganzen Glanz und Glamour des Oktoberfests. Und im Gegensatz zur Wiesn ist der Zoigl Ausschank noch ein echter Geheimtipp.

Ihr Lieblingsrestaurant in Bayern?

Hm, das ist eine sehr schwierige Frage (lacht). Es gibt viele, über die ich endlos schwärmen könnte. Ich nenne Ihnen drei Lokale, die in meiner persönlichen Liste herausragen. Da ist beispielsweise der Sternekoch Jokl Kaiser, der das Restaurant Meyers Keller in Nördlingen betreibt. Es ist faszinierend, wie er es schafft, deftige Wirtshausküche höchst raffiniert zu verfeinern, so, dass sie eben doch ganz anders mundet als in einer „normalen“ Wirtschaft. Er hat sich mit sehr alten Kochverfahren und Einwecktechniken seiner Heimat befasst und wenn er anfängt, davon zu schwärmen, wie gut unsere Vorfahren Essen über den Winter brachten, bin ich jedes Mal auf’s Neue fasziniert und kann ihm ewig lauschen. Dann kommt mir bei ihrer Frage Silvia Beyer in den Sinn. Sie betreibt die erste vegetarische Hütte der Alpen in der Nähe von Pfronten. Auf Silvias Hündeleskopfhütte schmausen Sie Klassiker wie Käsespatzen und Spinatknödel ebenso wie vegane Zucchinilasagne oder von Silvia kreierte – höchst exotische – Brotaufstriche. Und wer Wirtin Silvia bittet, für den greift sie zur Gitarre und beginnt zu singen, dass einem das Herz zu schmelzen beginnt. Mein ganz persönliches Lieblingslokal ist der Gasthof zur Post in Sindelsdorf, zwischen Bad Tölz und Murnau – ein oberbayerisches Traditionslokal. Hier bin ich aufgewachsen. Den Gasthof führt mittlerweile meine Cousine Katrin. Ich liebe das Essen dort, weil der Geschmack der handwerklich hergestellten Gerichte, die dort seit vielen Generationen aufgetischt werden, für mich eine Reise in die Kindheit bedeutet. Egal ob ich dort Schweinebraten oder Schwarzwälderkirschtorte bestelle, es ist jedes Mal eine Erinnerung an vergangene Zeiten und ich werde wieder ein kleines glückliches Mädchen.

Was macht die Küche Bayerns besonders?

Für mich ist es die originelle Vielfalt. Wie die Hobby- und Profiköche und Köchinnen in ihrer Heimat aus dem, was ihnen Feld und Wald und Stall bieten, das Beste herauskitzeln. Vom Frankenwein über die Karpfen aus der Oberpfalz weiter zu den früheren Arme-Leuten-Gerichten, etwa pikante oder süße Mehlspeisen. Hier möchte ich Michaela Schmitz-Guggenbichler herausstellen, die das Restaurant Alte Bergmühle in Fischbauchau betreibt – ein weiteres Liebelingslokal von mir. Sie tischt Knödel auf, bietet sogar Knödelkurse mit dem Abschluss eines Knödeldiploms an. Bei der ebenso sympathischen, wie spitzbübischen Michaela habe ich gelernt, wie leicht es sein kann, echte Kartoffelknödel selbst zu machen.

Wo trifft man Sie, wenn Sie nicht gerade am Schreibtisch sitzen?

Im Sommer unterrichte ich „Wiesn Wadl Workout“ im Freien, eine bayerische Gymnastik, die ich erfunden habe, um der Dominanz der englischen Sprache im Fitnessbereich augenzwinkernd etwas entgegenzusetzen. Das war eigentlich nur eine Schnapsidee, mittlerweile kommen aber bis zu 150 Sportbegeisterte donnerstags in den Münchner Westpark und machen mit. Im Winter unterrichte ich Yoga – schon seit über dreißig Jahren.