Von der Kunst, Süsses zu zelebrieren

Freunde und Familie zu sich einzuladen und zu Hause zu empfangen ist die schönste Form der Gastlichkeit! Unsere italienische Autorin Csaba dalla Zorza lässt uns heute teilhaben, wie man sie als Gastgeber zelebrieren kann: bei einem süßen Dessert, dem krönenden Abschluss eines gemeinsamen Essens in der Toskana.

Gaumenschmaus gleich Augenschmaus

Ein ansprechend gedeckter Tisch ist ein Augenschmaus und, wie ich immer wieder betone, kein Luxus, sondern ein Privileg, das unser Leben jeden Tag ein bisschen schöner macht. Abends decke ich den Tisch für die Familie gern mit allem, was dazugehört. Am liebsten richte ich ihn nach dem Essen für Dessert, Obst und Kaffee. Auch wenn man diese drei traditionell nacheinander serviert, stelle ich bei weniger formellen Gelegenheiten gerne alles zusammen auf den Tisch. Mit gefällt es, ein Dessert (oder Desserts, wenn Sie verschiedene zubereiten) mit etwas gewaschenem Obst in die Tischmitte zu stellen, sodass sich jeder selbst bedienen kann. Wenn ich den Kaffee im Wohnzimmer serviere, biete ich nur Obst und Süßes an, aber wenn ich mit meinen Gästen lieber am Tisch bleibe, möchte ich ihnen die Gelegenheit geben, sich von allem gleichzeitig zu nehmen: Genau wie in der Oper ist es dann ein wahrhaft krönender Abschluss für einen gelungenen Abend mit Freunden.

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Die Autorin Csaba dalla Zorza beim Eindecken einer Gästetafel.

Vorhang auf fürs Dessert

Süßes ist für uns Italiener einmal mehr Ausdruck unseres Gemeinschaftssinns und nicht nur der Höhepunkt eines gemeinsamen Essens. In diesem Moment entspannen sich sogar die unsichersten Hobbyköche und genießen die Anerkennung ihrer Mühen. In einigen Familien ist das Dessert fast wie der zweite Akt einer wundervollen Aufführung. Erneut öffnet sich der Vorhang und neue Protagonisten erscheinen auf dem Tisch: Süßes in Form von Kuchen, Cremespeisen zum Löffeln oder Kekse, Obst und Kaffee. Damit bei dieser Mahlzeit auch wirklich nichts fehlt, wird die Nachspeise manchmal noch von Dessertweinen und Likören begleitet.

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Crostata alla Panna - ein Dessert, für das man weder Zeit noch großes Talent braucht.
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Einfach mit einem Gläschen Dessertwein genießen: Cantucci morbidi

Festtagsgeschirr macht einfach was her

Einen Tisch für das Dessert vorzubereiten bedeutet, alles abzuräumen, was noch von den anderen Gängen übrig ist, und, so weit wie eben möglich, den makellosen Zustand vom Anfang wiederherzustellen. Anstelle der Weingläser für den Tischwein kommen nun kleinere Gläser ohne Stiel für Dessertwein auf den Tisch. Öl, Salz, Essig, Brotteller, unbenutztes wie auch schmutziges Besteck werden weggeräumt. Stattdessen kommen Dessertteller samt kleiner Gabeln und Messer (falls es Früchte gibt) beziehungsweise Löffelchen für Eis, Obstsalat, Kaffee – je nach Menü. Sogar in weniger wohlhabenden Familien wie der meinen in meiner Kindheit, besitzen die  Hausherrinnen Dessertteller und alles, was dazugehört, um bei Gästen einen guten Eindruck zu machen. In der Regel sind sie auf dieses Geschirr auch sehr stolz. Oftmals wird es nur zu besonderen Anlässen benutzt. Meine Oma bewahrte ihr gutes Geschirr in einer Vitrine im Esszimmer auf. Darunter befand sich ein Service mit Silberrand für Weihnachten und Feste, das als einziges eine passende Suppenschüssel beinhaltete. Außerdem hatte sie noch ein Kaffeeservice mit zwölf Tässchen und ebenso vielen kleinen Tellern, einer Zuckerdose, Milchkännchen und winzigen Silberlöffelchen. Sie kündigte immer an, dieses Service zu benutzen, wenn ich zum ersten Mal meinen Mann mit nach Hause brächte – weil es das „gute“ war, das nicht beschädigt werden durfte. So kam es dann auch.

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Herrlich an warmem Sommertagen: Waldbeeren-Parfait.

Deko aus dem Garten

Um einen Tisch ansprechend zu decken, braucht man nicht viel mehr als etwas von dem guten Geschmack einer Frau, die Teile aus ihrem Kleiderschrank geschickt miteinander kombiniert. Eine bestimmte Farbe erleichtert nicht nur diese Aufgabe, sondern verbessert mit Sicherheit auch das Ergebnis: Weiß. Nicht ohne Grund bevorzuge ich diese Farbe. Wenn man nur eine einzige Tischdecke hätte, sollte sie weiß sein – genauso beim Tellerservice. Weiß ist unschuldig, sauber und hell – mit dieser Farbe liegt man in keiner Jahreszeit daneben. Für das Dessert kombiniere ich es gerne mit Rosatönen, intensivem Gelb, Gold oder Maigrün. Diese Palette entspricht der Farbe meiner Lieblingsblumen: Herbstrosen und Sommerpäonien. Früchte und Kräuter sorgen für angenehmen Duft: Salbei und Pfirsiche, Minze und Trauben, Äpfel und Sternanis sind nur einige der Kombinationen, die ich häufig verwende. Bei Landaufenthalten suche ich immer unermüdlich nach Dingen, mit denen ich den Tisch dekorieren könnte: Ein Rundgang durch einen Garten oder Wald beschert einem mehr als genug Funde, man muss nur noch die besten aussuchen.

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Die Autorin mit Freundinnen beim Nachmittagstee.

Das schönste Detail: Blumen

Wenn ich mit den ganzen Vorbereitungen für ein Abendessen mit Gästen beschäftigt bin, gibt mir die Klarheit und Ruhe der weiß gedeckten Tische die Sicherheit, dass am Ende alles elegant, frisch und einladend aussehen wird. Wenn ich auf dem Land bin, stelle ich meist ganz schlichte Materialien zusammen: Leinen und Baumwolle für Tischdecken und Servietten, Gefäße aus glasierter Keramik und Glas, Besteck aus satiniertem Stahl, Krüge, Tassen und Zuckerdosen mit kuppelförmigem oder flachem Deckel, die den Tisch und das Ambiente mit ihren Formen veredeln und eine unvergessliche Atmosphäre schaffen. Das letzte kleine Detail sind Blumen, die man als Landbewohner sogar direkt im eigenen Garten pflücken kann. Am allerliebsten mag ich natürliche Blumen, deren Unvollkommenheit die ganze Schönheit der Natur in sich trägt. Rosen, die sich unter dem Gewicht ihrer Blütenblätter zur Erde biegen, gehören vor allem im Herbst zu meinen Lieblingen, wenn sie zum zweiten Mal blühen und stilvoll mit solcher Eleganz und Grazie verwelken, dass viele Hausfrauen sie schon allein deswegen schätzen. Diese Rosen eignen sich perfekt für eine Tischdekoration – in mehreren kleinen Vasen oder in einem einzigen niedrigen Tischaufsatz. In einem bunten Farbspiel mit Früchten angeordnet, werden sie zu einer einfachen, aber wunderschönen Dekoration, die jeder selbst machen kann, ohne große Fertigkeiten im Arrangieren von Blumen zu haben (wie es bei mir der Fall ist). Die Schönheit dieser Blüten hat etwas Sehnsüchtiges, das den Blick anzieht und zu stundenlanger Betrachtung und Bewunderung einlädt.

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Die Autorin arrangiert frische Blumen ...
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... hier aus dem eigenen Garten der Blanc Mariclò Farm in Pontedera.

 

Neugierig geworden? Kulinarische Highlights, traumhafte Deko-Anregungen und persönliche Geschichten von Csaba dalla Zorza finden Sie in Toskana – Eine kulinarische Liebeserklärung.