Woher kommt Ihre Leidenschaft für kulinarische Themen?

Ich bin in einer Familie groß geworden, in der Essen eine zentrale Bedeutung zugeschrieben wurde. Meine Mutter ist eine hervorragende Köchin, sie hat mich mit ihrer Leidenschaft für Zutaten, Speisen und das kulinarische Universum angesteckt.  Die konkreten Aspekte des Lebens haben mich immer interessiert und das Essen ist der Mittelpunkt des Lebens: ohne Essen gibt es auch kein Leben. Über das Essen kann man die Verbindung zu vielen anderen Disziplinen erfassen (Landwirtschaft, Medizin, Geschichte, Politik, Religion, Kunst, Architektur, Literatur, Philosophie). Man behauptet, dass das Essen spricht und wunderbare Geschichten erzählt. So heimisch eine Zutat auch scheint, hinter und vielleicht auch vor ihr liegt eine Spur des Reisens und des Wandels.

Was macht die Accademia Italiana?

Die Accademia Italiana della Cucina wurde 1953 als gemeinnütziger Verein gegründet und kümmert sich um das kulinarische Erbe Italiens. 2003 wurde die Akademie vom italienischen Staat zur kulturellen Institution Italiens ernannt. Sie ist entstanden, um die Tradition der verschiedenen Regionalküchen Italiens zu bewahren, damit das kulturelle gastronomische Erbe nicht verloren geht. Hier geht es nicht nur ums Essen oder um das Kochen, sondern dahinter steht eine ganz wesentliche und wichtige Einordnung der Essenskultur als unverzichtbares Element der kulturellen Identität einer Nation. Sie organisiert jährlich eine Reihe von Informationsveranstaltungen, veranstaltet Seminare, Lesungen, Tagungen, Degustationen, testet italienische Restaurants und veröffentlicht zahlreiche Publikationen. Ihr Hauptsitz ist in Mailand, aber sie verfügt über vielen Niederlassungen in ganz Italien und im Ausland. In Deutschland sind fünf Delegationen, ich bin die Vorsitzende der Frankfurter Delegation.

Mit welchen drei Zutaten zaubert man sofort ein Stück Italien auf den Teller?

Drei Zutaten sind allerdings nicht viel, wenn auch Kräuter oder Gewürze mitgezählt werden.

Dann würde ich einen Carpaccio di Bresaola vorschlagen. Für die einfachste Variante, braucht man Bresaola (ein luftgetrockneter, italienischer Rinderschinken) wilde Rucola, Parmesankäse. Aber Sie müssen mir einen Joker gestatten … etwas Olivenöl!

Ihre Pasta Favoriten?

Obwohl ich Italienerin bin, muss ich leider gestehen, dass ich Reis statt Pasta bevorzuge. Muss ich aber unbedingt Pasta essen, dann greife ich zu der sogenannten Pasta fresca (frische Nudeln) einen Nudelteig aus Eiern und Mehl, typisch für die gastronomische Tradition meiner Heimatregion, der Emilia-Romagna. Dann kann ich mir Tagliatelle, Lasagne und Tortellini wünschen und im Herbst würde ich lieber Cappellacci di zucca (Kurbis-Tortelloni) verkosten, eine Spezialität aus Ferrara.

Was darf man sich unter Ihrem aktuellen Buch Die Freude des jungen Goethe. Die Italienische Reise gastronomisch erzählt vorstellen?

Es geht um die berühmte Italienische Reise von Johann Wolfgang von Goethe. Ich biete den Lesern eine neue Interpretation, ich erzähle sie nämlich einfach von einem gastronomischen Gesichtspunkt aus. Es gibt unzählige Veröffentlichungen zu und über Goethes Reise, aber nie ist sie dabei unter der doch allgegenwärtigen kulinarischen Komponente gelesen worden. Ich habe mich auf eine mentale Reise nach Italien, meiner Heimat, begeben, zu einer Zeit, in der Reisen physisch nicht erlaubt war, denn das Buch ist während des ersten Lockdowns entstanden.

 

Fotonachweis: © Bernd Kammerer